Bei zwei Luftangriffen auf das Präsidentenbüro in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind mindestens sechs Menschen getötet worden. 30 weitere Menschen wurden nach Angaben von Rettungskräften verletzt. Das Gebäude wird von Huthi-Rebellen genutzt, sie machten über ihren Fernsehsender Almasirah die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition für die Luftangriffe verantwortlich.

Nach Angaben von Anwohnern erschütterten zwei schwere Explosionen die im Stadtzentrum gelegenen Büros. Augenzeugen berichteten, dass das Gebäude im Geschäftsviertel Tahrir mehrere Treffer abbekommen habe. Demnach soll kurz vor den Angriffen ein Treffen von Huthi-Rebellen in dem Gebäude stattgefunden haben. Unklar war aber, ob sich Mitglieder der schiitischen Miliz im Inneren aufgehalten hatten. Sanaa ist seit 2015 in der Hand der Huthis.

Das dreigeschossige Gebäude wurde komplett zerstört, an anderen Bauten in der Nähe entstanden schwere Schäden. Fahrzeuge brannten aus, auf Bildern in sozialen Medien waren Rauchsäulen über Sanaa zu sehen. Es wird befürchtet, dass viele Menschen in dem Schutt begraben wurden.  

Bei Luftangriffen kommen oft Zivilisten ums Leben

Wenige Stunden zuvor hatte die Luftabwehr des benachbarten Saudi-Arabiens nach eigenen Angaben zwei Raketen aus dem Jemen abgefangen. Die Geschosse seien von den schiitischen Huthi-Rebellen in der jemenitischen Provinz Amran abgefeuert worden und hätten bewohnte Gebiete im Süden Saudi-Arabiens zum Ziel gehabt, teilte ein saudi-arabischer Militärsprecher mit. Die Raketen seien zerstört worden, bevor sie irgendwelche Schäden anrichten konnten.

Der Sprecher der Militärkoalition wertete den Raketenangriff aus dem Jemen als "neuen Beweis", dass der Iran die Rebellen im Jemen mit Waffen beliefere. Der Iran bestreitet dies. Seit November vergangenen Jahres wird Saudi-Arabien immer wieder mit Raketen aus dem Jemenbeschossen.

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition kämpft seit 2015 im Jemen gegen die Huthi-Rebellen, die weite Teile im Norden und Westen des Landes beherrschen. Saudi-Arabien und seine Verbündeten unterstützen die international anerkannte Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi.  

Durch die Bombardierungen wurden immer wieder auch viele Zivilisten getötet, eine ernsthafte Schwächung der Rebellen brachten sie dagegen nicht. Erfolg versprechende Friedensgespräche scheinen derzeit unwahrscheinlich. Seit Beginn des Konflikts wurden fast 10.000 Menschen getötet. Die humanitäre Situation im Bürgerkriegsland ist mit Millionen Hungernden, Kranken und Vertriebenen katastrophal.