Israel - US-Botschaft in Jerusalem eröffnet In Jerusalem wurde die umstrittene US-Botschaft feierlich eröffnet. In einer Videobotschaft sprach US-Präsident Donald Trump von einem »längst überfälligen Schritt«, Vertreter westeuropäischer Staaten blieben dem Akt demonstrativ fern. © Foto: Ronen Zvulun/Reuters

Die US-Botschaft in Jerusalem wird zur Stunde feierlich eröffnet. Bei dem Festakt nehmen rund 800 geladene Gäste teil, darunter Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner sowie Israels Premier Benjamin Netanjahu. US-Präsident Donald Trump, der den Umzug der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem im vergangenen Jahr angekündigt hatte, ist nicht nach Jerusalem gereist. Auf Twitter sprach Trump von einem "großen Tag" für Israel.

Der US-Botschafter in Israel, David Friedman, eröffnete die Zeremonie und begrüßte die Gäste. Auch US-Vizeaußenminister John Sullivan und US-Finanzminister Steven Mnuchin sind darunter. Friedman sagte: "Vor 70 Jahren hat David Ben Gurion die Unabhängigkeit (des Staates Israel) erklärt." 70 Jahre später gingen die Vereinigten Staaten "endlich den nächsten Schritt", sagte der US-Botschafter. Dieser historische Moment sei "dem Mut einer Person" zu verdanken: US-Präsident Donald Trump.

Bei den Feierlichkeiten wurde auch eine Videobotschaft von US-Präsident Trump gezeigt. Darin sagte er, Israel sei eine "souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen". Und weiter: "Wir haben in der Vergangenheit das Offensichtliche nicht anerkannt."

Israels Regierungschef Netanjahu sprach bei der Eröffnungsfeier von einem "glorreichen Tag". Israel habe "keine besseren Freunde auf der Welt" als die USA. "Danke, Präsident Trump, dass Sie den Mut hatten, ihre Versprechungen einzuhalten!" Es sei auch "ein großer Tag für den Frieden", sagte Netanjahu. "Ein Frieden, der auf Lügen basiert, kann nur an den Felsen der nahöstlichen Realität zerschellen. Und die Wahrheit ist, dass Jerusalem immer die Hauptstadt des jüdischen Volkes bleiben wird."

Kushner verurteilte bei der Eröffnung der Botschaft die gewalttätigen Ausschreitungen im Gazastreifen. "Jene, die Gewalt provozieren, sind Teil des Problems, nicht der Lösung", sagte Trumps Schwiegersohn. Er gehört zum Team des US-Präsidenten, das sich um eine Friedenslösung für den Nahen Osten bemühen soll. Kushner sagte in seiner Rede, die USA seien entschlossen, dabei zu helfen, "einen nachhaltigen Frieden zu schaffen". Jerusalem müsse eine Stadt sein, die alle Glaubensrichtungen zusammenbringe, sagte Kushner.

Mindestens 43 Tote bei Protesten im Gazastreifen

Der Festakt wird von den Demonstrationen im Gazastreifen überschattet, die seit dem Vormittag zunehmend eskalieren. Tausende Palästinenserinnen und Palästinenser haben sich dort versammelt, um gegen die Eröffnung der Botschaft zu protestieren. Das israelische Militär verteidigt die Grenze unter anderem mit Schüssen auf die Demonstranten. Einige von ihnen hatten versucht, den Grenzzaun zu durchschneiden, andere warfen Steine oder zündeten Reifen an. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza starben bei den Protesten mindestens 52 Menschen. Mehr als 2.400 seien verletzt worden.

Schon Anfang Dezember 2017, als Trump entschieden hatte, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, gab es Proteste der Palästinenser. Seitdem sind Tausende Menschen immer wieder freitags dem Aufruf der Hamas gefolgt, die Grenzblockade zu durchbrechen. Die Proteste an diesem Montag sind aber noch einmal deutlich größer. Die israelische Armee schätzt, dass es derzeit 35.000 Demonstranten sind, die in zwölf Städten im Gazastreifen demonstrieren. Das Militär hatte sich auf bis zu eine Million Demonstranten vorbereitet.

Israel - Tote bei Ausschreitungen im Gazastreifen Bei Demonstrationen gegen die Feierlichkeiten zu Israels Staatsgründung und die Verlegung der US-Botschaft starben mindestens 41 Menschen. Die Proteste könnten noch zunehmen. © Foto: Mohammed Abed/AFP/Getty Images

Der Status von Jerusalem ist eine der heikelsten Fragen im Nahostkonflikt. Israel hatte den Ostteil samt der historischen Altstadt im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1980 annektiert. Die Vereinten Nationen erkennen die Annexion aber nicht an. Israel betrachtet ganz Jerusalem als seine "unteilbare" Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen Ost-Jerusalem als künftige Hauptstadt des von ihnen angestrebten eigenen Staates. Internationaler Konsens war bisher, dass der Status von Jerusalem in einem Friedensabkommen mit den Palästinensern festgelegt werden soll.

Die Eröffnung der Botschaft findet am gleichen Tag statt, an dem Israel sein 70-jähriges Bestehen feiert. Am Dienstag jährt sich zudem zum 70. Mal die Nakba (deutsch: Katastrophe oder Unglück). An diesem Tag erinnern Palästinenserinnen und Palästinenser an die Vertreibung und Flucht von rund 760.000 Menschen, die 1948 auf die Gründung des Staats Israel folgten.