Das spanische Verfassungsgericht hat die geplante Wahl Carles Puigdemonts zum Regionalpräsidenten Kataloniens vorerst gekippt. Auf Antrag der spanischen Regierung setzte das Gericht eine Gesetzesreform des katalanischen Parlaments vorläufig außer Kraft, die die Wahl Puigdemonts in Abwesenheit des Kandidaten gestatten sollte.

Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte die Anrufung des Verfassungsgerichts kurz zuvor auf einer außerordentlichen Kabinettssitzung beschlossen. Puigdemont sei ein "Justizflüchtling", sagte Regierungssprecher Iñigo Méndez de Vigo. Seine Wahl in Abwesenheit sei illegal.

Bis zu einer endgültigen Entscheidung des Verfassungsgerichts können noch Monate vergehen. Wird bis zum 22. Mai kein Regionalpräsident gewählt, kommt es in Katalonien zu Neuwahlen.

Seit der Wahl in Dezember, bei der die katalanischen Separatisten die Mehrheit erhielten, scheiterten vier Versuche einer Regierungsbildung in der Region. Die ernannten Kandidaten hielten sich entweder im Ausland im Exil auf oder saßen in Untersuchungshaft

Puigdemont war nach Belgien geflohen, nachdem er im Oktober – damals noch als amtierender Regionalpräsident Kataloniens – die Unabhängigkeit Kataloniens ausgerufen hatte. In Deutschland wurde er vor Ostern auf der Durchreise festgenommen und in Neumünster inhaftiert. Anfang April kam er gegen Auflagen aus deutscher Haft frei.

Die spanischen Behörden werfen Puigdemont vor, mit einem Referendum über die Abspaltung Kataloniens gegen die Verfassung verstoßen zu haben. Zudem soll er für die Volksabstimmung mehr als eineinhalb Millionen Euro veruntreut haben.