Trotz deutlicher Verluste seines Lagers bei der Parlamentswahl ist der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri erneut mit der Bildung einer Regierung beauftragt worden. Staatschef Michel Aoun erteilte ihm den Auftrag, wie das Präsidialamt über Twitter mitteilte. Zuvor hatten sich genügend Abgeordnete hinter Hariri gestellt, der nun vor seiner dritten Amtszeit steht.

Es wurde erwartet, dass der 48-jährige Regierungschef nun Konsultationen zur Bildung einer Regierungskoalition aufnimmt. Bei der Parlamentswahl Anfang Mai hatte Hariris Zukunftsbewegung ein Drittel ihrer Sitze verloren. Die schiitische und proiranische Hisbollah-Bewegung hatte hingegen deutlich an Mandaten hinzugewonnen.

Die rund 3,7 Millionen Libanesinnen und Libanesen waren zum ersten Mal seit neun Jahren zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Die Abgeordneten hatten die Wahl seit 2009 nicht zuletzt wegen des Bürgerkrieges in Syrien, an dem sich auch die Hisbollah-Miliz beteiligt, dreimal verschoben. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 49,2 Prozent.

Hariri war wegen der Beteiligung der Hisbollah an der im Oktober 2016 gebildeten Regierung der nationalen Einheit im November von Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman während eines Besuchs in Riad zum Rücktritt gezwungen worden. Erst auf internationalen Druck hin konnte er nach Beirut zurückkehren, wo er seinen Rücktritt revidierte.