Die schiitische Hisbollah-Bewegung und ihre Verbündeten haben nach offiziellen Ergebnissen die Parlamentswahl im Libanon gewonnen. Die Zukunftsbewegung von Ministerpräsident Saad Al-Hariri hat dagegen ein Drittel ihrer Sitze verloren. Hariri bleibt aber voraussichtlich im Amt, da laut Wahlrecht stets ein Sunnit Ministerpräsident sein muss.

Die Hisbollah und ihre Verbündeten erhielten nach Auszählung fast aller Stimmen mindestens 65 der insgesamt 128 Sitze. Dabei bleibt die Mandatszahl der Hisbollah fast unverändert, ihre Bündnispartner legen aber zu. Dadurch kann die Hisbollah Gesetze mit einem Veto blockieren. "Das ist ein großer politischer und moralischer Sieg für die Entscheidung zum Widerstand", sagte der Anführer der Organisation, Hassan Nasrallah.

Die Zukunftsbewegung kommt im neuen Parlament auf 21 Mandate. Hariri räumte die Verluste ein. Grund seien eine "nicht dem Standard entsprechende" Leistung und das neue Wahlgesetz im Libanon, sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung. Er reiche jedem Libanesen die Hand, der an der Wahl teilgenommen habe, um die Stabilität zu bewahren und Jobs zu schaffen. Auch werde er weiterhin eng mit Staatspräsident Michel Aoun zusammenarbeiten.

Die rechten christlichen Libanesischen Kräfte konnten mit 15 Sitzen die Zahl ihrer Mandate beinahe verdoppeln. Im Wahlkampf hatten sie sich als treibende Kraft gegen Korruption dargestellt. Die Wahlbeteiligung lag landesweit bei 49 Prozent.

Die obersten Ämter sind im Libanon an Religionszugehörigkeit gebunden. Der Präsident muss maronitischer Christ sein, der Ministerpräsident ein Sunnit und der Parlamentspräsident ein Schiit. Auch im Parlament geht die Hälfte der Sitze an Christen, die andere an Muslime. Aufgrund eines neuen Wahlgesetzes, von dem kleinere Parteien profitieren, hatten Beobachter bereits erwartet, dass die Hisbollah mehr Plätze erhalten wird. Wirkliche Veränderungen wurden jedoch nicht erwartet.

Es war die erste Wahl im Libanon seit neun Jahren. Das Parlament hatte seine Amtszeit immer wieder eigenständig verlängert, unter anderem wegen innerpolitischen Krisen und des Kriegs in Syrien. Insgesamt hat der Libanon mit seinen etwa vier Millionen Einwohnern fast zwei Millionen Syrer aufgenommen. Außerdem gibt es in dem Land eine weiter verbreitete Korruption, die Wirtschaft stagniert.