Die schiitische Hisbollah-Bewegung hat sich zum Sieger der Parlamentswahl im Libanon erklärt. "Das ist ein großer politischer und moralischer Sieg für die Entscheidung zum Widerstand", sagte der Chef der pro-iranischen Formation, Hassan Nasrallah, in einer vom Fernsehen übertragenen Rede. Die Hisbollah habe ihr "Ziel erreicht".

Wie viele Sitze die Hisbollah bei dem Urnengang erlangt hat, ist noch offen. Offizielle Wahlergebnisse liegen noch nicht vor. Laut inoffiziellen Zahlen kämen die Hisbollah und ihre politischen Verbündeten auf 47 von insgesamt 128 Sitzen im Parlament. Das würde ihnen nach den Besonderheiten der libanesischen Politik die Möglichkeit geben, Gesetze mit einem Veto zu verhindern.

Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri hatte bereits deutliche Verluste bei der Parlamentswahl eingeräumt. Seine Zukunftsbewegung habe gut ein Drittel ihrer Abgeordnetenmandate verloren. Hariri sagte, seine Bewegung verfüge nun über 21 Sitze im Parlament. Sie verlor also zwölf Mandate, stellt aber noch immer den größten sunnitischen Block im Parlament. "Wir haben auf ein besseres Ergebnis gehofft", sagte Hariri. 

Bisher regiert im Libanon eine Einheitsregierung. Wahrscheinlich wird sich nun wieder eine solche bilden. Hariri wird also voraussichtlich wieder mit seinen Gegnern von der Hisbollah zusammenarbeiten. Der christliche Block von Präsident Michel Aoun verlor sechs Sitze und kommt den inoffiziellen Ergebnissen zufolge nun auf 21. Größter Gewinner dürften die rechten christlichen Libanesischen Kräfte sein. Sie konnten die Zahl ihrer Sitze auf 15 fast verdoppeln. Im Wahlkampf hatten sie sich als treibende Kraft gegen die im Land weit verbreitete Korruption gestellt. Die Wahlbeteiligung sank auf 49,2 Prozent von 54 Prozent bei der vergangenen Wahl 2009.

Die Nichtregierungsorganisation Libanesischer Bund für Demokratische Wahlen (Lade) zählte laut einem Bericht der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA zahlreiche Unregelmäßigkeiten. Es sei sowohl gegen das Wahlgeheimnis sowie den Artikel 78 des Wahlrechts verstoßen worden, der Kampagnen und Wahlerklärungen kurz vor der Wahl verbietet. Außerdem habe es teilweise chaotische Zustände an Abstimmungsorten gegeben, Wähler seien bestochen worden. Das Onlineportal Middle East Eye berichtete ebenfalls über solche Vorfälle

Kleinere Parteien profitieren von neuem Wahlgesetz

Die obersten Ämter sind im Libanon an Religionszugehörigkeit gebunden. Der Präsident muss maronitischer Christ sein, der Ministerpräsident ein Sunnit und der Parlamentspräsident ein Schiit. Auch im Parlament geht die Hälfte der Sitze an Christen, die andere an Muslime. Aufgrund eines neuen Wahlgesetzes, von dem kleinere Parteien profitieren, hatten Beobachter bereits erwartet, dass die Hisbollah mehr Plätze erhalten wird. Wirkliche Veränderungen wurden jedoch nicht erwartet.

Es war die erste Wahl im Libanon seit neun Jahren. Das Parlament hatte seine Amtszeit immer wieder eigenständig verlängert, unter anderem wegen innerpolitischen Krisen und des Kriegs in Syrien. Insgesamt hat der Libanon mit seinen etwa vier Millionen Einwohnern fast zwei Millionen Syrer aufgenommen. Außerdem gibt es in dem Land eine weiter verbreitete Korruption, die Wirtschaft stagniert.