Bundeskanzlerin Angela Merkel hat erneut die Verantwortung Deutschlands und Europas für Afrika betont. Es gehe nicht nur darum, künftige Flüchtlingsbewegungen zu verhindern, sagte Merkel auf dem Katholikentag in Münster. Eine Verantwortung hätten die Europäer, "weil wir mit dem Kolonialismus über Jahrzehnte und Jahrhunderte dort viel Schaden angerichtet haben." Man habe in Afrika verhindert, dass ganze Generationen Verantwortung für ihre Länder übernehmen konnten. "Nach Jahrhunderten der Fremdbestimmung sollen nun wie auf einen Knopfdruck plötzlich alle Unternehmer werden und super regieren und alles ganz toll machen", sagte Merkel. "Da sind langfristige Schäden entstanden."

Auch Deutschland habe eine Verantwortung. Als Ausrichter der Berliner Konferenz 1884/85 hatte das Land unter anderem an den willkürlichen Grenzziehungen auf dem afrikanischen Kontinent mitgewirkt. Ähnlich hatte sich Merkel unter anderem bei ihrer Rede in Davos im Januar 2018 und bei einem Treffen mit Flüchtlingshelfern im vergangenen Jahr geäußert. "Wir haben uns in der Kolonialzeit an Afrika versündigt", sagte sie damals. "Wir müssen ein bisschen Leidenschaft für die Geschichte Afrikas entwickeln, ansonsten werden wir auch nicht zueinanderkommen."

Hintergrund ihrer Äußerungen ist die deutsche Compact-with-Africa-Initiative. Gemeinsam mit den G20-Staaten will Deutschland durch wirtschaftliche Zusammenarbeit interessierte afrikanische Länder in ihrer Wohlstandsentwicklung fördern. Dafür wollen sie insbesondere in Bildung und Infrastruktur investieren. Deutschland hat bereits mit der Elfenbeinküste, Ghana und Tunesien Investitionspartnerschaften im Rahmen der Compact-Initiative vereinbart.

Ökonomen kritisieren, dass diese Initiative den Armen und der Landbevölkerung wenig bringen dürfte. Die Initiative konzentriere sich auf große Infrastrukturprojekte in wirtschaftlich schon relativ entwickelten Ländern, sagte der Ökonom Robert Kappel im Interview mit ZEIT ONLINE. Sie wolle zum Beispiel eine Schnellstraße zwischen Nairobi und Mombasa finanzieren, oder Staudämme im südlichen Afrika. Außerdem wolle die Initiative die urbanen Zentren vernetzen und besser durch Verkehrswege, Elektrizität, Trinkwasser, Häfen und Flughäfen erschließen. "Prinzipiell ist das auch gut, es gibt da unglaubliche Defizite", sagt Kappel, "aber Armut ist in Afrika ländlich."