Als Donald Trump im Dezember verkündete, die US-Botschaft in Israel werde nach Jerusalem verlegt, hatten es viele befürchtet: Der Schritt werde nur zu neuer Gewalt in der Region führen und jedes Bemühen für Friedensverhandlungen weit zurückwerfen – solche Warnungen zahlloser Nahostexperten haben sich bewahrheitet. Der US-Präsident habe ein Zündholz in ein ganzes Meer voller Benzin geworfen, kommentierte die Seite Esquire. Von Trump und seiner Partei war zu den mehr als 50 Toten während der Proteste im Gazastreifen derweil nichts zu hören.

In Washington feierte Vizepräsident Mike Pence die Verlegung der Botschaft als Zeichen dafür, dass Trump einer der "größten Unterstützer" sei, den der jüdische Staat je gehabt habe. Er habe mehr dafür getan, Amerika und Israel einander näherzubringen, als "irgendein Präsident in den letzten 70 Jahren". Trump, so Pence, habe Geschichte geschrieben. Historisch ist dabei vor allem der wachsende Einfluss religiöser Gruppen und der Wandel innerhalb der republikanischen Partei.

Innenpolitische Motive, Wahlversprechen und das Ego des Präsidenten hätten sich gegen fundierte außenpolitische Instinkte durchgesetzt, sagte etwa der ehemalige Vermittler im Nahen Osten, Aaron David Miller, der Washington Post. Es habe von Anfang an nahezu unlösbare Spannungen gegeben: auf der einen Seite Trumps Wunsch, als Präsident im Nahostkonflikt den Durchbruch zu erzielen, auf der anderen Seite der Druck proisraelischer Kräfte in seiner Partei. Letztere hätten sich in Washington nun offenbar behauptet.

Kein Wahlkampf ohne jüdische Organisationen

Dabei galten die Demokraten in der Hauptstadt lange als Heimat für Amerikas Juden. Schließlich war es ihr Präsident Franklin D. Roosevelt, der Hitler besiegt hatte. Sein Nachfolger Harry Truman, ebenfalls ein Demokrat, war der erste, der den Staat Israel nach der Gründung 1948 anerkannte. Bei den Republikanern hielt sich die Unterstützung für Israel dagegen bestenfalls in Grenzen. Zu groß war die Befürchtung, eine zu deutliche proisraelische Position könne das Verhältnis zu den wichtiger werdenden Ölstaaten im Nahen Osten unnötig verkomplizieren.

Erst eine veränderte politische Lage nach dem Ende des Kalten Kriegs und den Terroranschlägen auf das World Trade Center bewirkte ein Umdenken. Als die USA sich unter dem Republikaner George W. Bush militärisch stärker im Nahen Osten verstrickten, sahen viele Konservative Israel als wichtigen Verbündeten im Kampf gegen antiwestliche Kräfte in der Region. Hinzu kam mit Benjamin Netanjahu ein Ministerpräsident, dessen Wirtschaftspolitik den Ideen neoliberaler Republikaner näher war als dem demokratischen Ideal. Die jüdischen Wähler der Babyboomer-Generation und mächtige proisraelische Geldgeber distanzierten sich zunehmend von den Demokraten und bauten ihre Rolle in der republikanischen Partei und ihren Einfluss auf deren Agenda aus.

Israel - Guatemala-Botschaft in Jerusalem eröffnet Nach den Vereinigten Staaten hat jetzt auch Guatemala seine Botschaft nach Jerusalem verlegt. Die Entscheidung ist umstritten. © Foto: Ronen Zvulun/Pool Reuters/AP/dpa

Heute würden die Konservativen in Washington teils Positionen vertreten, die sogar weiter gingen als die vieler jüdischer Wähler, meinen Kritiker. Für republikanische Präsidentschaftskandidaten gehört es längst zum Pflichtprogramm, auf Wahlkampftouren auch einen Stopp bei den einflussreichen jüdischen Organisationen im Land einzulegen. Sheldon Adelson, der 84-jährige Casinomilliardär aus Las Vegas, hat 25 Millionen Dollar in den Wahlkampf von Trump investiert und ihn gedrängt, in der Israel-Frage Stellung zu beziehen. Adelson gehörte jetzt auch der exklusiven Delegation an, die zur Eröffnung der Botschaft nach Jerusalem reiste.