Die Gegensätze waren hart: Auf der einen Seite Feierlichkeiten, auf der anderen eskalierende Proteste. Mindestens 60 palästinensische Demonstranten waren am Montag bei Protesten im Gazastreifen unmittelbar an der israelischen Grenze ums Leben gekommen. "Es ist ein großartiger Tag für den Frieden", sagte am selben Tag Israels Premier Benjamin Netanjahu bei der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem

Der einseitige Schritt der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die Botschaft dorthin zu verlegen, stößt bei den Palästinensern auf tiefe Ablehnung. Die USA seien kein Vermittler mehr im Friedensprozess, hieß es schon nach Trumps Ankündigung am 6. Dezember. Doch Trump hatte den "ultimativen Deal" angekündigt – und der soll Berichten zufolge in den kommenden Wochen, vielleicht auch Monaten vorgelegt werden.

Trump ist nicht der erste US-Präsident, der sich an den Friedensprozess wagt – und er wäre nicht der erste, würde er scheitern: an der Sturheit der Verhandlungspartner, zu hohen Forderungen, innenpolitischem Druck auf beiden Seiten oder unvorhergesehenen Wendungen. Ein Rückblick auf die Verhandlungen der vergangenen Jahre.

Die Hoffnung von Oslo

Es glich einer kleinen Revolution, als Palästinenser und Israelis ab 1992 zum ersten Mal direkt verhandelten – zunächst geheim, unter norwegischer Schirmherrschaft. Im September 1993 ging dann ein hoffnungsvolles Bild um die Welt: Palästinenserführer Jassir Arafat und Israels Premier Izchak Rabin schütteln sich in Washington im Beisein des US-Präsidenten Bill Clinton die Hand, Mahmud Abbas und Schimon Peres als Außenminister unterzeichneten dort die ersten Oslo-Vereinbarungen, Oslo I genannt: Israel würde sich nach und nach aus den 1967 besetzten Gebieten zurückziehen und die politische Verantwortung an die Palästinenser abgeben – "Land für Frieden" war das Motto. So groß war dieser Schritt, so groß die Hoffnung auf Frieden nach Jahren der Gewalt und der ersten Intifada, dass Peres, Rabin und Arafat im Jahr darauf den Friedensnobelpreis erhielten.

Zwar wurden die Kernfragen – der Status Jerusalems, der Verlauf der Grenzen, die Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge – ausgeklammert. Doch im Oslo-II-Paket schaffte man 1995 erste konkrete Veränderung: Das Westjordanland wurde in drei Zonen aufgeteilt, in denen entweder Israel, die Palästinenser oder beide das Sagen hatten, Israel zog sich aus den größeren palästinensischen Städten zurück. Doch weiter kamen die Hoffnungsträger nicht: Bei einer Friedensdemonstration in Tel Aviv am 4. November 1995 erschoss ein rechtsnationaler Attentäter Premier Izchak Rabin und zerstörte damit jegliche Hoffnung auf Frieden. Im Jahr danach gewann Benjamin Netanjahu zum ersten Mal die Wahlen – und von Verhandlungen mit den Palästinensern war vorerst keine Rede mehr.

Neustart in Camp David mit jähem Ende

Kurz vor Ende seiner Amtszeit startete US-Präsident Bill Clinton im Jahr 2000  einen weiteren Versuch: In Camp David brachte er noch einmal Palästinenser und Israelis zusammen, vertreten durch Jassir Arafat und den neuen israelischen Premier Ehud Barak. Diesmal sollten die zentralen Problempunkte in Angriff genommen werden. Doch die beiden Seiten konnten sich nicht einigen. Einer der Knackpunkte: Jerusalem. Barak ging zwar weiter als viele erwartet hatten, bot den Palästinensern sogar zum ersten Mal Ostjerusalem als Hauptstadt an, dazu die muslimischen und christlichen Viertel der Altstadt.

Der Tempelberg, auf dem heute die Al-Aksa-Moschee steht und wo sich einst der jüdische Tempel befand, von dem heute nur noch die Klagemauer übrig ist, sollte unter israelischer Hoheit bleiben, Barak bot den Palästinensern aber die Verwaltung des Berges an. Für Arafat nicht genug. Und auch innenpolitisch geriet Barak unter Druck: Der damalige Oppositionsführer Ariel Scharon wollte öffentlich demonstrieren, dass der Tempelberg den Juden gehört – und besuchte diesen heiligen Ort unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen am 28. September 2000. Die Muslime rebellierten. Gleich danach begann die zweite Intifada, auch Al-Aksa-Intifada genannt.

Versuche zur Zeit der Intifada

Trotz des gewalttätigen Aufstands der Palästinenser wurde weitere Anläufe genommen, im Nahen Osten Frieden zu schaffen. 2002 trauten sich die arabischen Nachbarstaaten: Sie erklärten ihre Absicht, Israel als Staat anzuerkennen und normale Beziehungen aufzunehmen, wenn Israel sich auf die Grenzen von 1967 zurückzieht, Ostjerusalem als palästinensische Hauptstadt anerkennt und palästinensische Flüchtlinge zurückkehren dürfen. Doch die Angst vor dem Terror und die ständigen Anschläge hatten selbst das Friedenslager in Israel entmutigt, die Frage der Sicherheit überlagerte alles, erst recht nach einem entsetzlichen Attentat während des Pessachabends in einem Hotel in Netanja, bei dem 30 Menschen starben.

George W. Bush wagte 2007 einen neuen Anlauf

Ein Jahr später verabschiedete das Nahostquartett, bestehend aus den USA, der EU, Russland und der UNO, die sogenannte Roadmap, einen Friedensfahrplan. In drei Phasen sollten bis 2005 verschiedene Bedingungen erfüllt werden. So sollten die Palästinenser Maßnahmen gegen den Terror ergreifen, ihre Institutionen demokratisieren, Israel sollte sich zur Zwei-Staaten-Lösung bekennen und den Siedlungsbau stoppen. Bei Verbesserung der Sicherheitslage sollte sich Israel nach und nach aus jenen Gebieten zurückziehen, die es im Zuge der Intifada besetzt hatte.

Doch auf palästinensischer Seite gerieten Abbas und Arafat in einen innenpolitischen Streit, gleichzeitig setzte Ariel Scharon auf die einseitige Abkoppelung von den Palästinensern – ohne Absprache. So blieb auch die wenige Monate später von Israelis und Palästinensern ausgehandelte Genfer Friedensinitiative bedeutungslos: Yossi Beilin, einstiger Minister, und Yasser Abed Rabbo, ehemaliges Mitglied der Autonomiebehörde, schufen eine Vorlage für ein Friedensabkommen, es blieb aber eine private Initiative, ohne Umsetzung.

Verhandlungen in Annapolis

Viel war geschehen, bis es erneut zu ernsthaften Gesprächen zwischen Israelis und Palästinensern kam: Israel hatte begonnen, aus Angst vor Terroranschlägen eine Sperranlage an der Grenze zum Westjordanland zu bauen, Ariel Scharon hatte die Siedlungen in Gaza und einige im Norden des Westjordanlandes räumen lassen – und Hamas und Fatah gerieten in einen Bruderstreit, der bis heute andauert, die Hamas riss dabei die Macht im Gazastreifen an sich. Trotz oder gerade deswegen wagte George W. Bush einen neuen Anlauf und holte Ehud Olmert und Mahmud Abbas 2007 zu neuen Gesprächen nach Annapolis. Besonders war daran, dass bei der Konferenz neben Vertretern des Nahostquartetts auch arabische Staaten anwesend waren, darunter Saudi-Arabien und Syrien. Bis Ende 2008 sollte ein Endstatusabkommen erarbeitet werden.

Es folgten weitere Treffen von Palästinensern und Israelis und Olmert machte weitreichende Angebote: internationale Aufsicht über die heiligen Stätten, Rückzug aus mehr als 90 Prozent des Westjordanlandes, einen Landtausch für die restlichen Gebiete, Rückzug aus Ostjerusalem, symbolische Aufnahme einiger tausend palästinensischer Flüchtlinge. Doch Abbas lehnte ab. In einem Interview 2015 sagte er, Olmert habe ihm die Karte mit dem Grenzverlauf nicht genau zeigen wollen, und eine symbolische Rückkehr von Flüchtlingen waren ihm nicht genug. Die Friedensbemühungen wurden überschattet vom ersten Gazakrieg 2008 und dem Wahlsieg Netanjahus 2009.

Kerry, der Unermüdliche

Zuletzt bemühte sich US-Präsident Barak Obama um eine Aussöhnung. Nachdem ein Versuch während seiner ersten Amtszeit gescheitert war – Israel beendete den Baustopp der Siedlungen, gleichzeitig drohten die Palästinenser, die Mitgliedschaft bei den Vereinten Nationen anzustreben – unternahm Außenminister John Kerry im Sommer 2013 einen neuen Anlauf. Wie ein Besessener versuchte er zu vermitteln, reiste mehrmals in den Nahen Osten. Kurz vor Ende seiner politischen Karriere war es ihm ein persönliches Anliegen, in dieser Sache voranzukommen.

Doch er scheiterte schon zu Beginn: Israel hielt einige der palästinensischen Gefangenen zurück, die im Zuge der Verhandlungen freigelassen werden sollten, Abbas kündigte die Aufnahme in die UNO an, der zweite Gaza-Krieg brach Ende 2012 aus und Abbas stellte die Forderungen, Israel müsse den Siedlungsbau komplett einstellen und 1.000 Gefangene nach palästinensischer Wahl freilassen. Kerrys Bemühungen waren vergebens.

Der ultimative Frieden?

Nun will Trump schaffen, woran all seine Vorgänger gescheitert sind. Dafür hat er seinen Schwiegersohn Jared Kushner und den Nahostgesandten Jason Greenblatt beauftragt, einen Plan zu erarbeiten. Kann es gelingen – jetzt, nachdem er mit dem Umzug der Botschaft einseitige Tatsachen geschaffen und die Palästinenser verärgert hat? Trumps Nahostpolitik sei ein Schlag ins Gesicht, wetterte Präsident Abbas. Keine guten Voraussetzungen für Gespräche. Einige Beobachter glauben hingegen, dass Trump nun die Israelis zu großen Kompromissen bewegen kann. "Die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem hat ihren Preis und ist es wert, gezahlt zu werden", tönte Verteidigungsminister Avigdor Liebermann.

Die israelische Tageszeitung Maariv berichtete kürzlich, die Trump-Regierung würde Israel bitten, sich aus einigen Ostteilen der Stadt zurückzuziehen, darunter die Viertel Jabel Mukaber, Isawiyah, Shuafat and Abu Dis, die dann die Hauptstadt eines palästinensischen Staates werden könnten. Von US-Seite wurde dieser Bericht allerdings nicht offiziell bestätigt. Mit Blick auf die vergangenen Verhandlungen, bei denen schon mehr geboten wurde, scheint ein Frieden auf dieser Basis nahezu utopisch. Das käme zumindest Netanjahu ganz recht: Ihm wäre nichts lieber, als den Status quo beizubehalten.