Mitten in der US-Debatte um Waffenkontrollen hat sich US-Präsident Donald Trump fest an die Seite der Lobbyorganisation NRA gestellt. Solange er Präsident sei, werde der Zweite Verfassungszusatz, der das Recht auf Waffenbesitz garantiert, nie in Gefahr sein, sagte Trump zum Auftakt des Jahrestreffens der National Rifle Association.

Nur die Konservativen im Kongress würden verhindern, dass dieser Verfassungszusatz abgeschafft werde, sagte Trump. Nur sie seien bereit, für dieses Recht zu kämpfen. Die Demokraten wollten dagegen Schusswaffen verbieten. Wenn das geschehe, müssten auch alle Lieferwagen und Lastwagen verboten werden, denn die seien eine neue Waffe für "wahnsinnige Terroristen".

Im vergangenen Jahr nahm Trump als erster Präsident seit mehr als 30 Jahren an einem NRA-Treffen teil und erklärte die Angriffe auf den Verfassungszusatz zum Recht auf Waffenbesitz für beendet. "Wir werden unsere Freiheit niemals aufgeben", betonte Trump damals. "Wir werden in Freiheit leben und in Freiheit sterben."

Früher in diesem Jahr hatte Trump die NRA noch verstört, als er nach dem Amoklauf in einer Schule in Florida ein höheres Zulassungsalter für Sturmgewehre forderte. Nach dem Anschlag gab es in den USA wiederholt Demonstrationen für eine Verschärfung der Waffengesetze, an denen vor allem Jüngere teilnahmen.

Trump forderte seine Zuhörer auf, bei der Zwischenwahl im Herbst für die Republikaner zu stimmen. Man dürfe sich nicht zurücklehnen. Er habe noch nie verstanden, warum die Partei des Siegers bei der Präsidentenwahl bei den zwei Jahre später folgenden Halbzeitwahlen regelmäßig schwere Verluste hinnehmen müsse. Am 6. November werden das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt.

Vor Trump sprach Vizepräsident Mike Pence zu den Teilnehmern der NRA-Jahresversammlung. Auch er verteidigte den Zweiten Verfassungszusatz und verwies auf die Bemühungen der Regierung, die Sicherheit an Schulen zu verbessern. Dazu zählte er auch die Bewaffnung von Lehrern. Pence wiederholte einen oft gesagten Satz der Waffenanhänger in den USA: "Der schnellste Weg, einen bösen Typen mit einer Waffe zu stoppen, ist ein guter Typ mit einer Waffe." Den Medien warf der Vizepräsident vor, nicht die ganze Geschichte über Waffen in Amerika zu erzählen.

Trump hatte sich im Wahlkampf als kompromissloser Verteidiger des Rechts auf Waffenbesitz präsentiert. Die NRA unterstützte ihn mit rund 30 Millionen Dollar (25 Millionen Euro) Wahlkampfspenden. Nachdem ein 19-Jähriger im Februar in Parkland 17 Menschen ermordet hatte, sagte Trump, es sei Unsinn, dass man das dabei verwendete Sturmgewehr schon mit 18 kaufen könne, eine Pistole aber erst mit 21 Jahren. Während andere Politiker Angst vor der NRA hätten, werde er sich der Lobby widersetzen.

Trump will noch immer Lehrer bewaffnen

Später machte Trump einen Rückzieher. Es gebe wenig politische Unterstützung für ein höheres Mindestalter beim Kauf von Sturmgewehren, sagte er und übergab das Thema an eine Kommission. In seiner Rede vor NRA-Mitgliedern bekräftigte Trump am Freitag, er wolle Lehrer bewaffnen. Er unterstütze, wenn "hochtrainierte Lehrer verborgen Waffen" trügen, damit Schulmassaker in Zukunft besser verhindert werden könnten.

Das Jahrestreffen der NRA dauert noch bis Sonntag. Erwartet werden mehr als 70.000 Mitglieder der Organisation.

Einer der Überlebenden von Parkland warf Trump Heuchelei vor. Erst habe der Präsident andere beschuldigt, sie seien von der NRA gekauft, jetzt spreche er selbst dort. "Das zeigt, dass sein Herz und seine Brieftasche an derselben Stelle sind", sagte David Hogg.

Gabrielle Giffords, Ex-Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus und Opfer eines Schusswaffenangriffs im Jahr 2011, beklagte, Trump habe zugelassen, dass seine Präsidentschaft von Waffenlobbyisten und Wahlkampfmitteln bestimmt würde. Er habe die "Aufforderung junger Menschen nach sicheren Waffengesetzen ignoriert".