In Venezuela hat der sozialistische Präsident Nicolás Maduro nach Angaben der Wahlkommission die Wahl gewonnen. Auf Maduro seien 5,8 Millionen Stimmen entfallen, teilte die Kommission in Caracas mit. Sein größter Konkurrent, Henri Falcón, habe 1,8 Millionen Stimmen erhalten. Maduro sprach in einer ersten Reaktion von einem "Sieg des Volkes". Falcón sagte, er erkenne die Wahl wegen Unregelmäßigkeiten nicht an. Beobachter befürchten eine Eskalation der Wirtschaftskrise in Venezuela. Maduro rief seine Gegner nach Bekanntgabe der Ergebnisse zum Dialog auf.

Die Wahlbeteiligung gab die Kommission mit 46,1 Prozent an. Die Opposition sprach von weniger als 30 Prozent. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der linken Revolution in Venezuela vor zwei Jahrzehnten, teilten Beobachter mit. Bei der Abstimmung im Jahr 2015 lag die Wahlbeteiligung bei 80 Prozent. Maßgebliche Teile der Opposition hatten diesmal zum Boykott der Abstimmung aufgerufen.

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Falcón fordert Neuwahl

Schon vor der Verkündigung der Ergebnisse hatten Maduros Gegner dem Urnengang jegliche Legitimität abgesprochen, da viele Wählerinnen und Wähler zu Hause geblieben waren. Der Wahl "mangelt es ohne Zweifel an Legitimität und wir lehnen es kategorisch ab, diesen Prozess anzuerkennen", erklärte der unabhängige Kandidat Falcón vor Anhängern. Er forderte eine Neuwahl. Er ging allerdings auch hart mit dem größten Oppositionsbündnis des Landes ins Gericht. Dessen Aufruf zu einem Boykott der Wahl, dem die Bürgerinnen und Bürger offenbar weithin gefolgt seien, habe der Regierung in die Hände gespielt, sagte Falcón.

Falcóns Forderung nach Neuwahlen schloss sich auch der drittplatzierte Kandidat Javier Bertucci an, der laut dem Wahlrat 11 Prozent der Stimmen bekam. Im Falle einer erneuten Abstimmung sollte Maduro so mutig sein und nicht erneut antreten, verlangte der Fernsehprediger. Ansonsten drohe in Venezuela eine Explosion der sozialen Krise, die durch Lebensmittelengpässe und eine Hyperinflation befeuert wird.  

Maduro zeigte keinerlei Bereitschaft zu einer Neuwahl. "Die Wahlprozesse sind fürs Erste beendet", erklärte der Präsident. In den kommenden zwei Jahren vor den bereits geplanten Kongresswahlen wolle er sich auf eine Wiederherstellung der Wirtschaft fokussieren.

Vorwürfe an Wahlbehörden

In sein Gesprächsangebot an die Opposition mischte Maduro scharfe Kritik an Falcón, der wie er selbst ein Gefolgsmann des 2013 verstorbenen Staatschefs Hugo Chávez war. Er habe noch nie erlebt, dass ein Kandidat die Wahlergebnisse angefochten habe, noch ehe sie bekanntgegeben worden seien, sagte Maduro.

Sowohl Falcón als auch Bertucci warfen den Wahlbehörden vor, die Augen vor einer Reihe von Verstößen verschlossen zu haben. Unmut gab es unter anderem darüber, dass Aktivisten der regierenden Sozialisten nur wenige Schritte von Wahllokalen entfernt rote Zelte aufbauten, in denen Wähler eine von der Regierung ausgegebene "Vaterlandskarte" scannen lassen konnten. Wähler sagten, sie hofften, Bargeld oder sogar eine kostenlose Wohnung zu gewinnen. Falcón sagte, seine Wahlkämpfer hätten sogenannte "Rotpunkte" landesweit an 86 Prozent der Urnen vorgefunden. Er sprach von einem "Druckmechanismus, einem Element der politischen und sozialen Erpressung", der sich an die Armen richte.

Nach dem venezolanischen Gesetz müssen Wahlkampfaktionen mindestens 200 Meter von Wahllokalen entfernt stattfinden. Die Leiterin der Wahlkommission, Tibisay Lucena, gab den Kritikern zumindest teilweise recht und sagte, es seien Korrekturen vorgenommen worden. Die Beschwerden seien im Übrigen im Vergleich zu früheren Wahlen unerheblich, ergänzte sie.