Nigerianische Soldaten sollen aus der Gewalt der Terrorgruppe Boko Haram befreite Frauen und Mädchen vergewaltigt haben. Tausende der Frauen seien von ihren Familien in Lagern im Nordosten Nigerias getrennt und misshandelt worden, berichtete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Einige seien im Tausch für Essen vergewaltigt, andere geschlagen und als "Boko-Haram-Frauen" bezeichnet worden. Das nigerianische Militär bestritt die Vorwürfe.

Das nigerianische Militär versucht, die islamistische Terrorgruppe Boko Haram zu bekämpfen, die über die Jahre Millionen Menschen zu Vertriebenen gemacht hat. Die Kämpfer von Boko Haram haben Zehntausende Menschen getötet oder entführt. Häufig zwingt die Gruppe entführte Kinder oder Frauen dazu, Anschläge zu verüben.

Der Bericht von Amnesty International basierte auf mehr als 250 Interviews. Die mutmaßlichen Misshandlungen habe es gegeben, als das Militär versucht habe, Land von Boko Haram zurückzugewinnen, berichtet die Menschenrechtsorganisation. Tausende Zivilisten wurden bei den Militäreinsätzen befreit und in Lager für Vertriebene geschickt, wo viele zwischen Ende 2015 und Ende 2016 laut Amnesty an Hunger, Durst und Krankheiten starben.

Die nigerianische Regierung teilte mit, dem Bericht mangele es an Glaubwürdigkeit. Das Militär beschuldigte Amnesty, mit dem Bericht für einen "böswilligen Trend" verantwortlich zu sein.