Was im Mai 2016 wie eine Politikfarce anmutete, könnte knapp zwei Jahre später Realität werden. Damals sagte Donald Trump, zu diesem Zeitpunkt US-Präsidentschaftskandidat, er würde mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zusammen ein paar Burger essen und über die Lösung des Atomkonflikts sprechen: "Ich habe absolut kein Problem damit."

Heute ist Trump Präsident und will sich mit Diktator Kim nächsten Monat in Singapur treffen. Das ist im Grunde auch richtig so, denn Atomwaffen gehören irgendwie kontrolliert. Kim und seine Militärs dürfte das zudem freuen, denn ein Treffen der Staatschefs auf Augenhöhe bedeutet auch eine indirekte Bestätigung, dass Nordkorea bereits ein Atomstaat ist. 

Die Entspannung in den vergangenen Monaten wurde möglich, weil sich Nordkorea grundsätzlich zu einer atomaren Abrüstung bekannt hat. Das Land hat zudem angekündigt, das Atomtestgelände Punggye Ri zwischen dem 23. und dem 25. Mai zu zerstören.

Jetzt aber scheinen die Nordkoreaner wieder alles in Zweifel zu ziehen. Am Dienstag hatte Nordkorea wegen Militärmanöver der USA mit ihrem Alliierten Südkorea damit gedroht, das Trump-Treffen abzusagen. Nordkorea sieht in den Manövern eine Provokation. Die USA sagen, die Militärübungen seien rein defensiver Natur, Kim habe sich in der Vergangenheit damit einverstanden erklärt. Gleichzeitig verschoben die Nordkoreaner für denselben Tag geplante hochrangige Gespräche mit Südkorea auf unbestimmte Zeit.

Ein paar Bedingungen austesten

Für Trump wäre ein Scheitern des Gipfels ein außenpolitischer Rückschlag. Er hat den Konflikt mit viel persönlicher Emotion bedacht. Besonders wurde das an seinen ausfälligen Twitter-Attacken gegen Kim deutlich, den er unter anderem "kleinen Raketenmann" nannte. Für die international fast komplett isolierten Nordkoreaner böten Gespräche über einen Abbau ihres Waffenarsenals eine Chance, dass die wirtschaftlich harten UN- und US-Sanktionen gegen das Land zurückgenommen werden und sich der Staat international wieder stärker politisch integrieren kann.

Warum also diese Drohung? Möglicherweise ist der Grund ganz einfach: Weil die nordkoreanische Führung immer so vorgegangen ist. Provokationen hart an der Grenze gehören zu ihrer Denkart, das war in den vergangenen Jahrzehnten nie anders. Da der Rahmen – Kim trifft Trump in Singapur – gesetzt ist, können aus nordkoreanischer Sicht ein paar Bedingungen dafür ausgetestet werden.

So hatte Nordkoreas langjähriger Atomunterhändler und Vizeaußenminister Kim Kye Gwan die USA am Dienstag davor gewarnt, sein Land zu einer "einseitigen atomaren Abrüstung" zu zwingen. Nordkorea habe in diesem Fall kein Interesse an einem Dialog.

Allerdings wurde auch in Pjöngjang von Denuklearisierung gesprochen, man kann aber davon ausgehen, dass das Kim-Regime damit die gesamte Halbinsel Korea meint. Dass nämlich Denuklearisierung, wenn überhaupt, nur funktioniere, wenn dafür die mehr als 28.000 US-Soldaten aus Südkorea verschwinden. Das wäre im Übrigen auch die Präferenz der Regierung Chinas, die dann endlich weniger Konkurrenz durch die Amerikaner in Ostasien hätte.

Nur wird das nicht geschehen. Trotz der zersetzenden Wirkung Trumps auf die Bündnisse mit den Alliierten Amerikas – die Kündigung des Iran-Abkommens war da nur der letzte Akt – haben die USA keine Signale gegeben, ihre Sicherheitsinteressen in Ostasien aufzugeben, und werden Südkorea, Japan und Taiwan weiterhin militärisch stützen.