Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi hat den schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr zum Sieg bei der Parlamentswahl beglückwünscht. Nach Angaben des Büros von Al-Sadr habe der amtierende Regierungchef telefonisch zum Wahlsieg gratuliert.

In sechs von bisher 16 ausgezählten Provinzen erlangte die Sairun-Liste, das Bündnis des Geistlichen Al-Sadr, eine Mehrheit der Stimmen – auch in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Die Liste von Premier Al-Abadi führt nur in einer Provinz. In zwei Provinzen gab die Wahlkommission bislang noch kein offizielles Ergebnis bekannt. Wie viele Sitze die jeweiligen Listen im Parlament erhalten, steht noch nicht fest. Der größten Fraktion steht das Recht auf Regierungsbildung zu.

Der 44-jährige Al-Sadr hatte im Wahlkampf mehr Einsatz gegen Korruption versprochen und soziale Themen in den Vordergrund gestellt. Al-Sadr war vor allem als Kritiker des politischen Establishments aufgefallen. Nach dem Sturz Saddams Husseins hatte er von 2003 bis 2011 einen Aufstand gegen die US-Truppen im Land angeführt. Für sein überkonfessionelles Wahlbündnis arbeitete Al-Sadr mit säkularen Aktivisten und Iraks Kommunisten zusammen.

Iraks amtierender Regierungschef Haidar al-Abadi kam 2014 ins Amt. Unter seiner Führung konnte die irakische Armee den "Islamischen Staat" besiegen. Der 66-Jährige, der 2014 ins Amt kam, gilt als moderat.

Am Samstag waren 24,5 Millionen Irakerinnen und Iraker dazu aufgerufen, ein neues nationales Parlament zu wählen – zum ersten Mal seit dem Sieg gegen die IS-Terrormiliz. Über 7.000 Kandidaten bewarben sich auf 329 Sitze, ein knappes Drittel der Kandidaten waren Frauen. Die Wahlbeteiligung war historisch niedrig – 44,5 Prozent der Wahlberechtigten gaben eine Stimme ab, mehr als die Hälfte blieb der Abstimmung fern.