Für US-Präsident Donald Trump ist das Iran-Abkommen ein "furchtbarer, einseitiger Deal", der aufgekündigt werden musste. Für die Befürworter bietet die Übereinkunft dagegen Sicherheit vor einer nuklearen Aufrüstung des Landes. Trumps Ausstieg aus der Vereinbarung wird in der internationalen Presse überwiegend kritisch gesehen.

"Wie geht es nach dieser Entscheidung weiter?", fragt die Washington Post. Darauf wisse bislang nicht einmal der US-Präsident selbst eine Antwort. Trump habe den Deal zwar mit großer Entschlossenheit aufgekündigt – "aber er hat keine Strategie, was jetzt passiert", schreibt DeYoung. Die Welt müsse sich wieder einmal nach einem US-Präsidenten richten, "der weiß, wohin er möchte; aber kaum weiß, wie er dies erreichen kann."

Die New York Times sieht Trumps Entscheidung als Teil eines "hochriskanten Experiments". Der US-Präsident sei sich sicher, die iranische Wirtschaft und damit das Regime "brechen zu können". Aber Trumps Team missachte das Risiko einer drohenden nuklearen Aufrüstung des Irans. "Ein brutal realpolitischer Ansatz, der zu einer Konfrontation führen könnte – und vielleicht sogar zu Krieg."

Der Guardian hält die Entscheidung für ein "unnötiges, gefährliches Spiel". Trump habe ohne erkennbaren Grund eine "nationale Sicherheitskrise" hervorgerufen. "Damit bringt er das Leben vieler Amerikaner in Gefahr – und das der Menschen im Nahen Osten."

"Trumps Schritt könnte zum Bumerang werden"

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht bei Trump vor allem eine Motivation: seine Verbissenheit, gegen alles vorzugehen, was unter seinem Amtsvorgänger ausgehandelt worden ist. "Hauptsache die Hinterlassenschaft Obamas wird entsorgt!", scheine Trumps Devise zu sein. Sei es das Pazifische Handelsabkommen, das Pariser Klimaabkommen oder nun der Iran-Deal – "Trump hat eine Freude an 'disruptiver Politik'."

Doch das könnte ihm laut Ansicht der Süddeutschen Zeitung zum Verhängnis werden. "Leidet der Iran nicht zu sehr unter den US-Sanktionen, dann hat Trump sich nur mit viel Getöse vom Tisch entfernt", ohne etwas bewirkt zu haben. Denn sollten sich die anderen Vertragspartner durch Trumps Sanktions-Drohungen unbeeindruckt zeigen, hätten die USA nichts erreicht – dann könne sich die Entscheidung zu einem Bumerang entwickeln.

Skeptisch ist man auch in Israel. Die Zeitung Haaretz befürchtet nun eine Eskalation der Situation in Syrien. Dort habe sich der Iran militärisch festgesetzt, um der Grenze Israels näher zu kommen. Durch die Aufkündigung des Abkommens sei die Sicherheit Israels gefährdet – und ein Krieg mit dem Iran deutlich näher gerückt.

Die spanische Zeitung El País blickt derweil in die Zukunft der USA. Die Entscheidung habe gezeigt, dass sich künftig jeder Pakt nach Donald Trump richten müsse. "Brücken zerbrechen, die USA isolieren sich und der Planet wird unsicherer – das ist vorläufig das Erbe von Donald Trump."