Der Grenzübergang zwischen Ägypten und dem Gazastreifen wird während des muslimischen Fastenmonats Ramadan geöffnet sein. Das kündigte Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi via Twitter an. Das Leid der Brüder im Gazastreifen solle gemildert werden, schrieb er.

Ägypten und Israel halten den Gazastreifen seit mehr als einem Jahrzehnt unter einer Blockade. Dadurch sind Import und Export von Gütern sowie die Reisefreiheit der Bewohnerinnen und Bewohner stark eingeschränkt. In den vergangenen Jahren hat Ägypten den Grenzübergang Rafah mehrmals geöffnet, jeweils für einen oder mehrere Tage. Ihn durften aber nur Kranke oder Menschen mit einer besonderen Genehmigung passieren.   

Am Montag waren bei Protesten im Gazastreifen mindestens 60 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet und mehr als 2.700 weitere verletzt worden. Die Demonstrantinnen und Demonstranten hatten gegen die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem protestiert sowie an die Vertreibung von Hunderttausenden Palästinensern im Zuge der israelischen Staatsgründung vor 70 Jahren erinnert.  

Viele Medien deuteten die Proteste als Ausdruck der Verzweiflung der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen. Dort lag die Jugendarbeitslosigkeit im vergangenen Jahr nach Angaben der Weltbank bei mehr als 60 Prozent. Der Großteil der Menschen ist auf soziale Hilfen angewiesen. Hilfsorganisationen fordern seit Langem, dass die Blockade des palästinensischen Gebiets aufgehoben wird, damit sich die Lebensbedingungen der Menschen dort verbessern.

Die Regierungen Israels und der USA kritisierten hingegen die radikalislamische Hamas, die im Gazastreifen an der Macht ist. Israel wirft der Hamas vor, sie habe die Massenproteste missbraucht. Sie benutze Zivilisten als "menschliche Schutzschilde", damit militante Palästinenser versuchen könnten, die Grenze zu durchbrechen und Anschläge auf Israelis zu verüben.

Auch die USA sehen die Verantwortung für die Todesfälle am Gazastreifen bei der Hamas. Die Palästinenserorganisation habe die "schreckliche Situation" auf zynische Weise ausgenutzt, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses, Raj Shah. Israel habe daher das Recht nutzen müssen, sich zu verteidigen.