Das Zimmer der am meisten gefürchteten Frau Rumäniens ist ein Raum mit hohen Türen. Die Nationalflagge hängt an einem goldenen Stab, vor einem dunklen Holzregal steht der Schreibtisch, auf dem schon einige politische Karrieren gestorben sind. Laura Codruța Kövesi macht ihre Arbeit ziemlich gut. 

Seit die 44-Jährige die rumänische Antikorruptionsbehörde DNA in Bukarest leitet, brachten ihre Ermittler zwei ehemalige Premierminister, zwei Vizepremierminister, elf amtierende und ehemalige Minister, 50 Abgeordnete und etliche lokale Bürgermeister vor Gericht. Die Arbeit der DNA hat viele aufgescheucht in Rumänien, das nach wie vor eines der korruptesten Länder in Europa ist. Laura Kövesi sagt, sie wolle in "einer Gesellschaft leben, in der die Gesetze für alle gelten". 

Sie spricht in einem bedächtigen, gleichmäßigen Ton. In ihrer Stimme liegt nichts von der operettenhaften Erregung, mit der ihre Feinde über sie reden. Leute, die sagen, Laura Kövesi zerstöre Leben. Oft sind es Leute, die sich vor der DNA fürchten. Die sich schon lange vergeblich wünschen, dass Kövesi stürzt.

Sie steht aber noch. 

Ihre Zentrale liegt im Westen von Bukarest, ein gewaltiger Kasten, der sich zwischen kleinen, braungrauen Häusern erhebt. An der Wand von Kövesis Büro hängt die Zeichnung einer Vogelscheuche, vor der Krähen in den Himmel fliehen. Ihre Nichte hat das Bild gemalt. So stelle die Nichte sich die Tante vor: Kövesi ist die, vor der dunkle Gestalten zu Recht Angst haben. Dafür wird sie von vielen Rumänen wie eine Volksheldin verehrt. 

Nach Ansicht eines jungen, gut ausgebildeten Teils der Bevölkerung gehören die kleptokratischen Strukturen, die das Land beherrschen, endlich abgeschafft. Laura Kövesi ist in den vergangenen Jahren zu einer Symbolfigur für den überfälligen kulturellen Wandel in Rumänien geworden. Eine Sonderermittlerin mit 50.000 Fans auf Facebook.

Einige Beobachter sagen, die Arbeit der DNA unter Kövesi habe das Vertrauen in die Institutionen wieder gestärkt. Antikorruptionsexperten halten die unabhängige DNA für ein Vorbild in Südeuropa. Internationale Medien haben ihr einige Spitznamen gegeben: die Aufräumerin, die Saubermacherin.

Die Juristin Kövesi ist eine hochgewachsene Frau, sie stammt aus Siebenbürgen. Ihre Mutter war Lehrerin, ihr Vater Staatsanwalt. Kövesi spielte im Basketballnationalteam der Junioren, wurde Vizeeuropameisterin mit der Kadettenmannschaft. Als das Ceaușescu-Ehepaar vor dem Erschießungskommando stand, war sie 16.  

Wie Hagi und Comăneci

Unter Kövesis Verantwortung beschlagnahmte die DNA in fünf Jahren bislang mehr als zwei Milliarden Euro aus Bestechungs- und Geldwäschefällen. Allein im vergangenen Jahr 200 Millionen Euro. Im Schnitt bringen DNA-Ermittler jährlich mehr als 1.000 Fälle vor Gericht. Neun von zehn enden mit einer Verurteilung.

Kürzlich hat Kövesi vor den Vereinten Nationen gesprochen. Es war das 15. Jubiläum des sogenannten Merida-Abkommens, der völkerrechtlichen Übereinkunft gegen Korruption. Und es war das erste Mal, dass eine Beamtin der rumänischen DNA vor den Vereinten Nationen ihre Arbeit vorstellen durfte. Also saß sie da in dem schwach beleuchteten Saal und sprach dringlich und demütig über Statistiken und Verurteilungen.

Sie berichtete auch, dass die Gegenreaktionen in ihrem Land zugenommen hätten. Unter dem Video auf YouTube vergleicht sie ein Nutzer mit der Turnlegende Nadia Comăneci und dem Fußballgenie Gheorghe Hagi. Ein anderer schreibt: Kövesi solle endlich zurücktreten. Sein Profilbild zeigt das Parteiwappen der PSD, der rumänischen Sozialdemokraten, die zurzeit das Land regieren. 

Es scheint, als seien die Angriffe der Politik auf die DNA in jüngster Zeit erbitterter geworden. Kövesi kennt all die Sätze, die ihr in den Zeitungen entgegengeschleudert werden, all die Vorwürfe, die Regierungsmitglieder ihr entgegenhalten. Und sie habe bereits alles kommentiert. "Die Vorwürfe haben keine Grundlage", sagt sie. 

Die Vorwürfe lauten: Sie baue ein Überwachungssystem auf. Sie missbrauche ihr Amt. Sie ziehe das internationale Ansehen Rumäniens in den Dreck. Sie steuere die Ermittlungen nach ihren eigenen politischen Vorlieben. Viele der in Kövesis Amtszeit angeklagten und verurteilten Politiker sind Mitglieder der PSD, aber bei Weitem nicht alle. "Wir ermitteln nicht nach Partei, wir ermitteln gegen alle, über die wir Informationen besitzen, dass sie eine Straftat begangen haben, die in unsere Kompetenz fällt", sagt sie. Ihre Ermittler bearbeiten derzeit rund 11.000 Akten.