Wladimir Putin ist erneut als Präsident Russlands vereidigt worden. "Ich betrachte es als meine Aufgabe und als meinen Lebenssinn, mein Möglichstes für Russland zu geben, in der Gegenwart und in der Zukunft", sagte Putin. Bei der Zeremonie im Kreml hatte er zuvor den Amtseid abgelegt.

An der Zeremonie nahm auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder teil. Bilder des russischen Fernsehens zeigten, dass der SPD-Politiker prominent in der Nähe des Ministerpräsidenten Dimitri Medwedew und des orthodoxen Patriarchen Kirill stand. Schröder war auch einer der wenigen Gäste, denen Putin nach der Vereidigung die Hand gab. Seit seinem Ausscheiden 2005 arbeitet der Ex-Bundeskanzler für russische Energiekonzerne.

Unmittelbar nach Vereidigung kündigte der Kreml einen Besuch von Kanzlerin Angela Merkel am 18. Mai in Sotschi an. Zudem wolle Putin am 5. Juni nach Österreich reisen.

Nach dem Amtseid feuerten Kanonen vor dem Kreml Salut. Putin dankte den Russen für die Unterstützung bei der Präsidentenwahl im März. Damals war er mit mehr als 76 Prozent wiedergewählt worden. Seinen Gegenkandidaten war keine Chance zugerechnet worden. Putins Konkurrent, der Oppositionelle Alexej Nawalny, war nicht zu der Wahl zugelassen worden.

Putin sagte, die Unterstützung im Land sei auch wichtig, um die Interessen Russlands international zu vertreten. "Russland muss mit den globalen Veränderungen Schritt halten und offen bleiben zum Dialog", sagte er. Die Sicherheit und Verteidigungsbereitschaft des Landes seien gewährleistet. 

Medwedew soll Regierungschef bleiben

Mit Putins Vereidigung tritt automatisch die russische Regierung zurück. Kurz nach seiner Vereidigung schlug Putin allerdings erneut Medwedew als Ministerpräsidenten vor. Die Duma soll dazu am Dienstag für eine Sondersitzung zusammenkommen.

Putin ist bereits seit 2000 entweder als Ministerpräsident oder als Präsident in Russland an der Macht. Weil die russische Verfassung nur zwei Amtszeiten in Folge erlaubt, hatte er sich 2008 nicht als Präsident zur Wahl gestellt, sondern war bis 2012 Regierungschef, während sein Vertrauter Medwedew die Geschäfte im Kreml leitete. 2012 kehrte Putin wieder ins Präsidentenamt zurück, seine jetzige Amtszeit geht bis 2024. Unklar ist, wie es danach weitergehen könnte. Öffentlich zu dieser Frage geäußert hat sich der Präsident bisher nicht. 

Um gegen Putins Vereidigung und die Korruption und Zensur im Land zu demonstrieren, hatte Nawalny seine Anhänger aufgerufen, am Samstag auf die Straße zu gehen. In zahlreichen russischen Städten fanden Demonstrationen statt, etwa 1.600 Menschen wurden festgenommen, darunter auch Nawalny. Er kam allerdings kurz darauf wieder frei.