Eine Mehrheit der Irinnen und Iren hat dafür gestimmt, das strikte Abtreibungsverbot im Land zu lockern. Laut dem Endergebnis sprachen sich 66,4 Prozent dafür aus, den achten Zusatzartikel aus der Verfassung zu streichen. 33,3 Prozent stimmten demnach dagegen. Nur in einem von 40 Wahlkreisen überwog die Anzahl der "Nein"-Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 64,1 Prozent. 

Irlands Ministerpräsident Leo Varadkar begrüßte das "Ja" beim Referendum. "Was wir heute sehen, ist der Höhepunkt einer stillen Revolution, die in Irland in den vergangenen zehn bis 20 Jahren stattgefunden hat", sagte Varadkar dem irischen TV-Sender RTÉ. "Die Menschen haben gesagt, dass wir eine moderne Verfassung für ein modernes Land wollen." Die Abstimmung zeige, dass die Menschen in Irland Frauen respektierten. In der Innenstadt von Dublin versammelten sich Tausende Menschen, um das Ergebnis zu feiern. Vielerorts wurde getanzt und gesungen.

Mehr als drei Millionen Bürgerinnen und Bürger hatten am Freitag darüber abgestimmt, ob der achte Zusatzartikel aus der Verfassung gestrichen werden soll. Dieser untersagt Schwangerschaftsabbrüche selbst bei Vergewaltigung, Inzest oder einer Missbildung des Fötus. Bei einer Abtreibung drohen Frauen bis zu 14 Jahre Haft. Es gibt nur eine Ausnahme: Seit 2013 ist es erlaubt, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. 

Neues Abtreibungsgesetz bis Ende des Jahres

Kinder- und Jugendministerin Katherine Zappone sagte, sie sei sicher, dass das Parlament bis Ende des Jahres ein neues Abtreibungsgesetz verabschieden werde. Die Regierung von Varadkar schlägt vor, Abbrüche während der ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft zu erlauben. Schwangerschaftsabbrüche zu einem späteren Zeitpunkt sollen in Sonderfällen zugelassen werden. 

Strengstes Abtreibungsgesetz der EU

Irland hat bislang eines der strengsten Abtreibungsgesetze der Europäischen Union. Um das Verbot zu umgehen, reisen jedes Jahr Tausende Irinnen nach Großbritannien, um den Eingriff dort vornehmen zu lassen.

Die Bürgerinnen und Bürger waren dazu aufgerufen, über eine Änderung des Gesetzes abzustimmen. Weil eine Briefwahl nicht möglich war, sollen Berichten zufolge Zehntausende im Ausland lebende Irinnen und Iren für das Referendum in ihre Heimat gereist sein.

Der UN-Menschenrechtsausschuss hatte das Abtreibungsverbot 2016 als Verstoß gegen internationale Menschenrechtsvereinbarungen kritisiert und die irische Regierung aufgefordert, es zu überarbeiten. 

In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig, unter bestimmten Bedingungen aber straffrei. Ein Abbruch kann innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen vorgenommen werden, in Ausnahmefällen auch bis zur 22. Woche. Voraussetzung ist, dass die Schwangere sich vor dem Eingriff beraten lässt und dem Arzt einen entsprechenden Nachweis vorlegt.