Bei einem Angriff auf die syrische Stadt Sarakib in der Provinz Idlib ist nach Angaben der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) wahrscheinlich Chlorgas eingesetzt worden. In Labortests von Proben aus der Stadt Sarakib seien Spuren der Chemikalie nachgewiesen worden, teilte die OPCW in Den Haag mit. Das Team sei auf Fässer gestoßen, die zuvor Chlorgas beinhaltet hätten. Die Hilfsorganisation Weißhelme habe die OPCW-Experten auf die Behälter aufmerksam gemacht.    

Die Bewertung der OPCW basiere auf der Untersuchung der Zylinder, in denen Chlorgas nachgewiesen worden sei, auf Zeugenaussagen und Umweltproben, die eine ungewöhnliche Konzentration von Chlor ergeben hätten. Zudem seien nach dem Angriff auf Sarakib zahlreiche Menschen in Krankenstationen wegen Atembeschwerden und anderen Symptomen behandelt worden, die typisch für den Kontakt mit Chlorgas oder anderen giftigen Chemikalien seien.

Direkt nach dem Angriff am 4. Februar hatten Rettungshelfer und Aktivsten Syriens die Regierung für den Einsatz von Giftgas verantwortlich gemacht. Die Rettungsorganisation Weißhelme hatte berichtet, dass in der damals von Rebellen kontrollierten Stadt mindestens zwölf Menschen verletzt worden waren. Zeugen hatten ausgesagt, dass ein Hubschrauber eine Bombe mit Chlorgas abgeworfen habe. Die Bombe sei nicht explodiert, ein Teil des Chlorgases sei jedoch ausgeströmt. 

OPCW untersucht mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Duma

Der OPCW-Generaldirektor Ahmet Üzümcü verurteilte den Einsatz chemischer Waffen jeglicher Art. Die Ergebnisse und das Vorgehen wurden in einem 34-seitigen Bericht veröffentlicht. Sie zeigen, dass in Syrien gegen das internationale Chemiewaffenverbot verstoßen worden sei, sagte Üzümcü. Gemäß dem Auftrag der OPCW äußerte sich die Organisation nicht zu der Frage, wer für den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff verantwortlich ist. Zurzeit untersucht die OPCW auch noch einen mutmaßlichen Einsatz von Giftgas im syrischen Duma.

Auch in den Wochen nach dem 4. Februar war die syrische Regierung beschuldigt worden, bei der Rückeroberung der Region Ostghuta mehrfach Giftgas eingesetzt zu haben. 

Syrien war nach einem Giftgasangriff 2013 unter starkem internationalen Druck der OPCW beigetreten und hatte der Vernichtung seiner Chemiewaffen zugestimmt. Bis jetzt ist aber unklar, ob Syrien tatsächlich alle Bestände gemeldet hatte. Chlorgas fällt nicht unter das Verbot, da es auch für zivile Zwecke eingesetzt werden kann.