Syrien sieht in den jüngsten israelischen Angriff auf sein Territorium eine "neue Phase" des Krieges. Das syrische Außenministerium teilte mit, Israel und seine Unterstützer hätten sich "direkt in die Konfrontation" eingeschaltet. Das sei ein Hinweis auf eine "neue Kriegsphase".

Israel – in der Erklärung als "zionistisches Gebilde" bezeichnet – habe eine "kriegerische Haltung" angenommen, die dazu beitragen werde, die Spannungen in der Region weiter anzuheizen. Dadurch würden "Frieden und internationale Sicherheit bedroht".

Der Hintergrund: Israel hatte dem Iran vorgeworfen, von Syrien aus in der Nacht zum Donnerstag etwa 20 Raketen in Richtung der israelischen Streitkräfte in den Golanhöhen abgefeuert zu haben. Israels Luftwaffe attackierte daraufhin etwa 50 iranische Ziele in Syrien. Opfer, hieß es später, habe es keine gegeben, man untersuche noch das Ausmaß des Schadens.

Russland rief Israel und den Iran zu Zurückhaltung und Deeskalation auf. Vizeaußenminister Michail Bogdanow bezeichnete die Vorgänge als "sehr beunruhigend". Außenminister Sergej Lawrow kritisierte die israelischen Luftangriffe auf iranische Militäreinrichtungen in Syrien als gefährliche Eskalation der Situation im Nahen Osten und eine "sehr alarmierende Entwicklung". Er rief sowohl Israel als auch den Iran auf, von gegenseitigen Provokationen abzusehen.

Kein Interesse an Eskalation

Iran kämpft im syrischen Bürgerkrieg gemeinsam mit Russland und der schiitischen Miliz Hisbollah an der Seite des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Israel fühlt sich durch die militärische Präsenz Irans im Nachbarland Syrien bedroht und hatte in der Vergangenheit immer wieder iranische Ziele in Syrien angegriffen. Iran hatte nach israelischen Angaben in den vergangenen Monaten seine Präsenz dort ausgebaut.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf dem Iran vor, mit dem Angriff eine "rote Linie" überschritten zu haben und kündigte Widerstand an. "Wir werden dem Iran nicht erlauben, sich militärisch in Syrien zu etablieren." Sein Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte, sein Land habe kein Interesse an einer Eskalation, "aber wir müssen auf jedes Szenario vorbereitet sein".

Reaktion auf mutmaßlich iranische Angriffe

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte beobachtete Raketenangriffe auf die Golanhöhen. Von wem die Angriffe ausgingen, konnte die Organisation der syrischen Regimegegner nicht sagen. Bei den Gegenangriffen Israels in Syrien seien dann mindestens 23 Kämpfer getötet worden, schilderte die Beobachtungsstelle.

Für den Beschuss machte Israel die Al-Kuds-Brigaden verantwortlich, eine Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden. "Alle wollen den Konflikt genau auf dieses Karree beschränken", sagte Verteidigungsminister Lieberman. Auf die Frage, woher Israel wisse, dass die Brigaden hinter dem Angriff stehen, antwortete Militärsprecher Conricus: "Wir wissen es einfach."

Aufruf zum Dialog

US-Präsident Donald Trump unterstützt den Gegenschlag Israels. Den Angriff Irans werte man als "zusätzlichen Beweis, dass dem iranischen Regime nicht zu trauen ist", sagte Regierungssprecherin Sarah Sanders. Der britische Außenminister Boris Johnson rief den Iran und Israel auf, "jegliche Eskalation zu vermeiden". Zugleich verurteilte er "in aller Schärfe die iranischen Angriffe". Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich beunruhigt. "Die Eskalationen der vergangenen Stunden zeigen uns, dass es wahrlich um Krieg und Frieden geht", sagte sie in ihrer Rede zur Verleihung des Aachener Karlspreises an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. In einer Erklärung riefen Merkel und Macron "zu Besonnenheit und Deeskalation" auf.

Bei einem Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani verurteilte Merkel die "iranischen Angriffe auf israelische Militärstellungen auf den Golanhöhen". Die Bundeskanzlerin habe Teheran aufgefordert, "zur Deeskalation in der Region beizutragen", sagte ihr Sprecher. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes ergänzte, die mutmaßlichen iranischen Raketenangriffe seien eine "schwere Provokation, die wir auf das Schärfste verurteilen". Israel habe "ein Recht auf Selbstverteidigung". Es sei "entscheidend", dass es jetzt nicht zu einer "weiteren Eskalation" komme. Der russische Außenminister Sergej Lawrow rief während des Besuchs seines deutschen Kollegen Heiko Maas (SPD) in Moskau zum Dialog zwischen Israel und dem Iran auf. Russland habe Israel aufgefordert, nichts zu unternehmen, was "als Provokation angesehen" werden könne.