Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat weitere Militäreinsätze in Nordsyrien angekündigt. Sie würden so lange fortgesetzt, "bis kein einziger Terrorist mehr übrig ist", sagte er vor Tausenden Anhängern in Istanbul. Die Soldaten, die in der Region Afrin gekämpft hätten, seien für weitere Einsätze bereit. Demnach sollen die Angriffe nach den vorgezogenen Neuwahlen am 24. Juni beginnen.

Ziel der neuen Offensive werde es sein, die türkischen Grenzen "von Terrororganisationen zu reinigen", sagte Erdoğan weiter. Nähere Angaben zu Ort und Zeitpunkt der angekündigten Offensiven machte er nicht. Die Zeit nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen bezeichnete der Staatschef als "neue Ära". Zugleich kündigte er an, weiterhin den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union anzustreben.

Die Türkei geht in Nordsyrien gegen die Kurdenmiliz YPG vor, die sie als Terrorgruppe und Schwesterorganisation der verbotenen Arbeiterpartei PKK einstuft. Die Offensive führt auch zu Spannungen mit dem Nato-Partner USA, weil die YPG dessen wichtigster Verbündeter im Kampf gegen die Extremistenmiliz IS in Syrien gewesen ist. Erdoğan hatte gedroht, den Militäreinsatz auf die Region Manbidsch auszudehnen. Dort sind auch US-Soldaten stationiert.

Amt des Ministerpräsidenten abgeschafft

Erdoğan bezeichnete die vorgezogenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen als Meilenstein für eine starke Türkei. Das Land werde "als globale Macht auf die Bühne gehen", sagte er. Die Wahlen sind von großer Bedeutung, weil der Präsident aus ihnen erstmals mit deutlich gewachsenen Befugnissen hervorgehen wird. Eine entsprechende Verfassungsänderung war bei einem Referendum im vergangenen Jahr mit knapper Mehrheit angenommen worden. Die Änderung sieht unter anderem vor, dass das Amt des Ministerpräsidenten abgeschafft wird und dessen Befugnisse größtenteils auf den Präsidenten übergehen.

Ein Bündnis aus Oppositionsparteien argumentiert, dass das neue System zu einer Ein-Mann-Herrschaft führen werde. Es hat versprochen, bei einem Wahlsieg zu einem parlamentarischen System mit einer starken Gewaltenteilung zurückzukehren. Präsidentschaftsbewerber Muharrem İnce von der Oppositionspartei CHP drohte damit, Wahlkampfveranstaltungen vor Fernsehsendern abzuhalten, aus Protest gegen eine geringe Medienberichterstattung über seine erste Wahlkundgebung. "Wir werden an die Macht kommen, indem wir dieses Mediensystem bekämpfen", schrieb der 54-jährige frühere Physiklehrer auf Twitter. "Wenn dieses durch den (Erdoğan-)Palast angeordnete Embargo gegen die Opposition weitergeht, werden wir unsere Treffen vor den Fernsehsendern abhalten."