Zaha Hassan ist eine palästinensisch-amerikanische Menschenrechtsanwältin und politische Analystin. Sie ist Fellow des US-amerikanischen Think Tanks New America. Bei den Verhandlungen über eine Vollmitgliedschaft für einen Staat Palästina bei den Vereinten Nationen (2010-2012) war Hassan Beraterin der palästinensischen Unterhändler.

Der Gazastreifen ist nur eine kurze Autofahrt von Jerusalem entfernt, doch es ist ein anderer Planet, ein Paralleluniversum. Über der Küstenenklave wabern schwarze Rauchwolken, als israelische Soldaten auf palästinensische Demonstranten schießen und mindestens 61 Palästinenser umbringen und mehr als 2.700 Menschen verletzen. Dies geschieht am Vorabend des Nakba-Tages, dem Tag der Katastrophe, an dem die Palästinenser an die Vertreibung und Flucht Hunderttausender Menschen während der israelischen Staatsgründung 1948 erinnern.

In Jerusalem, dort wo die USA ihre neue Botschaft eröffnet haben, ist der Himmel blau und die amerikanischen und israelischen Funktionäre, die den 70. Jahrestag der Gründung des Staates Israel feiern, sind ausgelassener Stimmung. Während in Gaza Gewehrsalven über den Palästinensern abgefeuert werden, wird in Jerusalem die Neuausrichtung der US-Politik offenbar, die den israelisch-palästinensischen Konflikt in einen religiösen Kampf zu verwandeln droht.

Dass US-Präsident Donald Trump die umstrittenen Pastoren und Evangelikalen John Hagee und Robert Jeffress zur Einweihungsfeier der US-Botschaft in Jerusalem einlud und sie sogar das Eröffnungsgebet halten ließ, bestätigt diese Annahme. Die beiden christlichen Führer sind bekannt für ihre bedingungslose Unterstützung Israels und ihre fanatischen und hetzerischen Aussagen gegen Muslime, Katholiken und die meisten anderen Glaubensgemeinschaften. Und als wäre das nicht schlimm genug, erhielten auch der Berater des Präsidenten Jared Kushner und dessen Frau Ivanka Trump bei ihrer Ankunft in Israel den Segen von einem Oberrabbiner, der schwarze Nicht-Juden in Israel als "Affen" bezeichnet.

Von welcher Realität spricht Trump?

Was für eine Botschaft ist das für die Palästinenser und für den Rest der Welt? Sicherlich verheißt sie nichts Gutes für die Christen und Muslime, die sich wünschen, dass Ostjerusalem die Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates wird. Auch unterwandert solch eine Haltung die Idee, dass die Heilige Stadt ein Ort für alle Menschen sein soll.

Donald Trump behauptet, mit seiner Entscheidung, die Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, erkenne er lediglich die Realität an. Doch von welcher Realität spricht er? Jene Realität, die religiöse Hardliner in den USA und Israel der Welt aufzwingen wollen? Immerhin ist die Haltung der internationalen Gemeinschaft eindeutig: Über den Status von Jerusalem wird zwischen der israelischen und palästinensischen Seite verhandelt. Für die Palästinenser sollten diese Verhandlungen dazu führen, dass Ostjerusalem als Hauptstadt eines palästinensischen Staates anerkannt wird.

Völkerrechtlich ist die Lage ebenfalls klar: Die arabischen Gebiete, die Israel 1967 gewaltsam einnahm, wurden international nicht als Teil von Israels Hoheitsgebiet anerkannt, auch nicht das von Israel annektierte Ostjerusalem. Die Demarkationslinie zwischen Israel und den von Israel im Sechstagekrieg eroberten Gebieten wie dem Westjordanland, dem Gazastreifen, den Golanhöhen und dem Sinai, wird Grüne Linie genannt. Für die Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern spielt die Grüne Linie eine zentrale Rolle, da sie aus palästinensischer Seite die Grundlage einer künftigen Grenzziehung zwischen einem Staat Palästina und Israel ist.