Die Nachricht traf das liberale Amerika wie ein Schlag. Eric Schneiderman – Demokrat, Feminist, Widersacher von Donald Trump – , wurde von einem Artikel im Magazin New Yorker zu Fall gebracht. Dort warfen vier Frauen dem einflussreichen New Yorker Staatsanwalt vor, sie verbal und physisch misshandelt zu haben. Schneiderman habe sie wiederholt geschlagen und gedemütigt. Wenn sie sich wehrten oder ihn verlassen wollten, soll der 63-Jährige gedroht haben, ihr Leben zu zerstören. Schneiderman stritt die Vorwürfe ab, doch seine Karriere war innerhalb weniger Stunden beendet.

Er hinterlässt eine Lücke in seiner Partei. In den Monaten nach der Präsidentschaftswahl war der 63-Jährige zum Zentrum des Anti-Trump-Widerstands geworden. Nicht nur weil er über dessen Heimatstaat und das Zentrum der Finanzwelt wachte. Fast 100 Klagen strengte der New Yorker gegen die Regierung an: gegen die Pläne, Menschen aus muslimischen Ländern von der Einreise abzuhalten, das Vorhaben, den Schutz von rund sieben Millionen illegalen Einwanderern aufzuheben, die als Kinder ins Land gekommen waren, oder die Streichung von Umweltauflagen und der Krankenversicherung der Obama-Regierung.

Mit Ermittlungen gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein und als mächtiger Fürsprecher der MeToo-Bewegung wurde der Staatsanwalt zum liberalen Darling. Die New York Times ernannte ihn zur "ein Mann starken juristischen Abrissbirne", die Late-Night-Unterhalterin Samantha Bee bezeichnete Schneiderman als "Superhelden" der Linken.

Partei verhindert neue Hoffnungsträger

Schneiderman und seine Amtskollegen in Kalifornien, Boston oder Hawaii haben das Vakuum gefüllt, das die zahnlosen Demokraten in Washington geschaffen haben. Wo es der Parteiführung im Kongress bislang kaum gelungen ist, den Konservativen und deren Präsidenten Paroli zu bieten und der Bevölkerung eine glaubhafte Alternative zu präsentieren, war es an den Generalstaatsanwälten und Bürgermeistern in demokratischen Landstrichen, gegen die Agenda von Trump zu kämpfen. Schneidermans Kollegen beeilten sich, in dieser Woche zu versichern, dass sich am Widerstand nichts ändern werde.

Jedoch stellt sich der Partei wenige Monate vor den wichtigen Midterms, bei denen die Demokraten die Mehrheit im Kongress zurückgewinnen wollen, drängender denn je die Frage, wer die Liberalen anführen soll. Und in welche Richtung. Der alten Garde um Senator Chuck Schumer und Sprecherin Nancy Pelosi fehle es an der nötigen Vision, um die Partei wiederzubeleben, sagen Kritiker. Doch zugleich verhindere die Führungsriege den Aufstieg neuer demokratischer Hoffnungsträger. 

In vielen Vorwahlen, zuletzt im kalifornischen Orange County, mühte sich die Spitze in Washington, unerfahrene und zu progressive Kandidaten zu verhindern, von denen sie fürchtet, dass sie im Rennen gegen etablierte Republikaner verlieren würden. Damit allerdings läuft sie gleichzeitig Gefahr, Wähler zu verärgern, die der Widerstand gegen Trump mobilisiert hat. Die Enthüllungen um Schneiderman könnten zudem Frauen verschrecken, die für einen Sieg bei der Wahl entscheidend sind.

Seit Monaten basteln die Demokraten an einer Botschaft, mit der sie im November die skeptischen Wähler in den wichtigen Swing States zurückgewinnen will, ohne allerdings jene zu verschrecken, die gegen die Trump-Regierung auf die Straße gehen. Je nachdem, welcher Demokrat gerade vor die Fernsehkameras tritt, unterscheiden sich die Prioritäten zum Teil so stark, dass man glauben könnte, es handle es sich um unterschiedliche Parteien.