Erstmals in der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump hat ein Gefangener das US-Lager Guantanamo verlassen. Ahmed Mohammed al-Darbi soll den Rest seiner 13-jährigen Haftstrafe in seiner Heimat Saudi-Arabien absitzen, teilte das Pentagon mit. In dem Lager für Terrorverdächtige auf Kuba werden noch 40 Männer festgehalten.   

Die Rückkehrvereinbarung für Al-Darbi war noch unter Ex-Präsident Barack Obama ausgearbeitet worden. Während die damalige US-Regierung versuchte, die Zahl der Inhaftierten in Guantanamo zu reduzieren und das Lager so langfristig zu schließen, hält Trump das Lager bewusst offen und will sogar neue Gefangene aufnehmen. Das soll offenbar auch in Zukunft gelten: Das Verteidigungsministerium kündigte in einer separaten Mitteilung an, dass es der US-Regierung Hinweise gegeben habe, wie Häftlinge weiterhin nach Guantánamo geschickt werden könnten. Details nannte das Pentagon dazu nicht. 

Al-Darbi berichtete von Isolationshaft und Schlafentzug

Zu den Inhaftierten in Guantanamo zählen derzeit noch fünf Männer, denen die Planung und Unterstützung der Terroranschläge vom 11. September 2001 vorgeworfen werden. Al-Darbi war 2002 in Aserbaidschan festgenommen und zum US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan gebracht worden. Er hat ausgesagt, zu Beginn seines Verhörs Isolationshaft, Schlafentzug und anderen Missbrauchsformen ausgesetzt gewesen zu sein. 2014 bekannte er sich vor einer Militärkommission schuldig, an einem Angriff auf einen französischen Öltanker beteiligt gewesen zu sein.

Er hat noch neun Jahre abzusitzen, die er nun in Saudi-Arabien verbringen wird. Die US-Behörden kommen Al-Darbi so entgegeben, weil er weitreichend gegen andere Inhaftierte in Guantanamo ausgesagt hat. Der dort zuständige oberste Staatsanwalt für Kriegsverbrecherprozesse, Mark Martins, hatte im Februar gesagt, Al-Darbis Zeugenaussagen seien für die USA "unschätzbar wertvoll" gewesen. Er habe in einzigartiger Weise Details von Al-Kaida-Operationen geschildert und der Regierung wesentlich dabei geholfen, Führungsmitglieder der Terrorgruppe für ihre Kriegsverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.

Al-Darbis Verteidiger Ramsi Kassem sagte, die Überstellung nach Saudi-Arabien sei der Abschluss von "16 langen und schmerzvollen Jahren in Gefangenschaft". Seine Kinder seien ohne ihn aufgewachsen. Die Rückkehr in seine Heimat markiere hoffentlich das Ende der Ungerechtigkeit für Al-Darbi, so Kassem.