Hat der Druck aus Brüssel und Berlin doch Wirkung gezeigt? Buchstäblich im letzten Moment lenkte der US-Präsident am Montagabend ein und vertagte eine Entscheidung über mögliche Strafzölle gegen Einfuhren von Stahl und Aluminium aus der EU, Kanada und Mexiko.

Nicht nur aus Berlin, Paris und London hatte es drängende Bitten in Richtung Washington gegeben. Auch die US-Handelskammer, eigentlich ein verlässlicher republikanischer Partner, warnte den Präsidenten bis zuletzt vor den wirtschaftlichen Folgen des Schritts.

30 Tage bleiben Handelspartnern und Beratern nun, um Donald Trump vom Nutzen des freien Handels ohne neue Zölle zu überzeugen. Sie werden auch zeigen, wie mächtig der Flügel der Globalisierungsgegner im Umfeld des Präsidenten tatsächlich ist.

Das sind die Berater, die derzeit den Kurs der US-Handelspolitik bestimmen:

Peter Navarro

Kaum jemand in Washington hasst Handelsdefizite wohl so sehr wie Peter Navarro. Der 68-jährige Ökonom und Harvard-Absolvent hat bereits mehrere erfolglose Versuche hinter sich, in Washington an Einfluss zu gewinnen, bevor Trump ihn noch am Tag der Amtsübernahme in sein Team berief. Bis dahin hatte Navarro sich vor allem mit umstrittenen Wirtschaftsbüchern einen Namen gemacht, in denen er energisch vor den Gefahren eines Aufstiegs der Wirtschaftsmacht China warnte.

Unter Fachkollegen blieb Navarro damit ein Außenseiter, in Donald Trump fand er einen Verbündeten: Der Anti-Establishment-Kandidat Trump holte sich den Ökonomen in sein Team. Trump ahnte, dass die wachsende Skepsis zahlreicher Amerikaner gegenüber einer offenen Handelspolitik eine Chance bot – und Navarro ihm die nötige ökonomische Glaubwürdigkeit geben könne.

Navarros Hartnäckigkeit zahlte sich aus

Im Weißen Haus aber fiel es Navarro lange schwer, sich mit seinen Positionen durchzusetzen. US-Medien berichteten, wie der Berater durch die Gänge in der Nähe des Oval Office schlich und auf eine Gelegenheit wartete, mit dem Präsidenten zu sprechen, von erfahreneren Akteuren in der Politikarena Washingtons aber immer wieder ausgebootet wurde. Doch am Ende zahlte sich seine Hartnäckigkeit aus: Während zahlreiche enge Mitarbeiter schon im ersten Jahr gehen mussten, baute Navarro seinen Einfluss aus.

Spätestens mit dem Rücktritt von Wirtschaftsberater Gary Cohn Anfang März, der aus Protest gegen die Zölle ging, hat die Gruppe der Hardliner um Navarro den internen Machtkampf vorerst gewonnen. Lange hatte Cohn als gemäßigtes Gegengewicht zu Navarro im Weißen Haus gedient, doch im Ringen um die Strafzölle setzte sich der Hardliner schließlich durch.

In Washington wird spekuliert, Navarro stehe dank seiner Rolle in der Handelsoffensive vor einer Beförderung in den engsten Kreis des Präsidenten und könnte Trump künftig noch weiter aus dem handelspolitischen Mainstream drängen. Gerade erst sicherte sich Navarro einen Platz in der Delegation, die in dieser Woche nach Peking reist, um mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping über die künftigen Handelsbeziehungen beider Länger zu beraten.

Aus seiner Parteilichkeit macht Navarro nie ein Geheimnis. Seine Funktion als Volkswirt sei es, so erklärte er dem Nachrichtendienst Bloomberg kürzlich, dem Präsidenten die notwendigen Analysen zu liefern, die "dessen Instinkt bestätigen". Und der liege, so Navarro, "immer richtig".