Dänemark hat Kleidungsstücke, die das Gesicht verdecken, in der Öffentlichkeit verboten. Betroffen sind auch islamische Ganzkörperschleier, die Burkas, und Nikabs, die das Gesicht bis auf die Augen vollständig bedecken. Mit 75 zu 30 Stimmen stimmte das Parlament für den Vorschlag der Mitte-rechts-Regierungskoalition. Auch die beiden größten Parlamentsfraktionen von Sozialdemokraten und rechtspopulistischer Dänischer Volkspartei unterstützten die Initiative.

Laut Regierung richtet sich das Gesetz nicht gegen eine bestimmte Religion und verbietet nicht Kopftücher, Turbane und die jüdische Kippa. Gleichwohl ist das Gesetz als Burka-Verbot bekannt und zielt nach Meinung vieler auf die Bekleidung mancher konservativer Musliminnen ab. Amtliche Angaben über die Zahl von Nikab- oder Burka-Trägerinnen in Dänemark liegen nicht vor. Justizminister Søren Pape Poulsen von der Konservativen Volkspartei hatte kürzlich gesagt, er denke nicht, dass es viele gebe.

Bei Verstößen gegen das ab August wirksame Gesetz droht eine Strafe von 1.000 Kronen, umgerechnet 134 Euro. Bei wiederholten Verstößen kann sich die Geldstrafe auf 10.000 Euro erhöhen.

Amnesty: Verbot weder notwendig noch verhältnismäßig

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International teilte mit, einige "spezifische Einschränkungen" der Vollverschleierung könnten "aus Gründen der öffentlichen Sicherheit legitim" sein. Doch das jetzige Verbot sei "weder notwendig noch verhältnismäßig und verletzt die Meinungs- und Religionsfreiheit".

In mehreren anderen europäischen Ländern gelten ähnliche Verschleierungsverbote. Als erstes Land in Europa verbannte Frankreich im April 2011 Burka und Nikab. In Belgien ist das Tragen eines Voll- oder Gesichtsschleiers in der Öffentlichkeit seit Juni 2011 verboten. Zuwiderhandlungen werden mit einem Bußgeld und bis zu sieben Tagen Haft bestraft.

In Österreich gilt das Verbot seit dem vergangenen Oktober. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärte das Burka-Verbot in Frankreich 2014 für rechtens – das in Belgien im vergangenen Juli. Der Bundestag verabschiedete im April 2017 ein Gesetz, wonach Beamte des Bundes und Soldaten ihr Gesicht während ihres Dienstes nicht verhüllen dürfen. Bei der Beantragung von Ausweispapieren muss der Antragsteller zudem sein Gesicht zeigen, um einen Abgleich mit dem Foto zu ermöglichen. Der Bundesrat stimmte dem im Mai 2017 zu.