Die Taliban haben eine dreitägige Waffenruhe zum Fest des Fastenbrechens ausgerufen. Das gab die radikalislamische afghanische Miliz bekannt. Die Waffenruhe soll vom kommenden Donnerstag an drei Tage lang gelten. Ihre Kämpfer seien demnach angewiesen, in dieser Zeit keine afghanischen Sicherheitskräfte anzugreifen. Es ist das erste Mal seit dem Einmarsch der US-Truppen in Afghanistan im Jahr 2001, dass die Taliban eine Feuerpause verkünden. Und das erste Mal, dass eine Waffenruhe während des Fastenbrechens gelten soll.

Ihre Kämpfer würden sich aber verteidigen, falls sie innerhalb der Waffenruhe angegriffen würden, sagten die Taliban. Und "ausländische Besatzer" seien von der Waffenruhe ausgenommen. Sie würden weiterhin angegriffen, "wo auch immer wir sie sehen". In Afghanistan sind im Rahmen des Nato-Einsatzes Resolute Support Soldaten aus Nato-Mitgliedsstaaten stationiert, darunter auch deutsche Bundeswehrsoldaten.

Die Taliban reagierten mit der Waffenruhe auf den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani, der bereits am Donnerstag einseitig angekündigt hatte, die afghanische Armee werde die Taliban eine Woche lang nicht angreifen. Er hatte gesagt, die Waffenruhe sei eine Gelegenheit für die Taliban, "ihre gewalttätige Kampagne zu reflektieren". Das Angebot gilt laut Ghani nur für die Taliban, andere Milizen wie den IS und Al-Kaida würden afghanische Regierungstruppen auch während der Waffenruhe mit den Taliban angreifen.

Waffenruhe in der Frühjahrsoffensive

Die Ankündigung der Taliban ist besonders, weil diese aktuell wie jedes Jahr eine Frühjahrsoffensive gegen die afghanische Regierung führen. Sie haben bereits mehrere Anschläge in der afghanischen Hauptstadt Kabul verübt, bei denen viele Zivilisten getötet wurden. Und nur Stunden vor ihrer Erklärung töteten Taliban-Kämpfer bei einem Angriff auf einen Militärposten 17 afghanische Soldaten, wie Gouverneurssprecher Gelani Farhad mitteilte. Der Angriff sei in der westlichen Provinz Herat verübt worden. Bei dem Feuergefecht seien acht Aufständische getötet und mehrere verwundet worden. Bei einem weiteren Angriff in der nördlichen Provinz Kundus seien mindestens 13 Polizisten und zehn Aufständische getötet worden. Dieser zweite Angriff sei im Bezirk Kala-i-Sal erfolgt.

Präsident Ghani hatte den Taliban Ende Februar Friedensverhandlungen angeboten. Sie könnten, sagte Ghani, als politische Partei anerkannt werden, falls sie einer generellen Waffenruhe zustimmen und die afghanische Verfassung und Regierung anerkennen. Offiziell gingen die Taliban nicht auf dieses Angebot ein, doch auf inoffizieller Ebene sollen laut dem US-Verteidigungsministerium Taliban-Vertreter über eine Waffenruhe verhandeln. Auch das wird von den Taliban zurückgewiesen. Laut einem Sprecher wolle die US-Regierung mit solchen "erfundenen Erklärungen" von der gescheiterten Strategie von US-Präsident Donald Trump in Afghanistan ablenken.

Die USA versuchen derzeit, die Taliban durch militärische Angriffe zu Verhandlungen zu bringen. So seien zuletzt bei einem Angriff die Nummer zwei der Taliban in der Provinz Helmand, Abdul Manan, und mehrere örtliche Anführer aus den Provinzen Kandahar, Kundus, Herat, Farah und Urusgan getötet worden. 

Die Taliban kontrollierten bis 2001 weite Teile Afghanistans und übten währenddessen Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung aus. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf die USA marschierten US-Truppen in Afghanistan ein und entmachteten die Taliban. Seitdem kämpfen sie gegen die demokratisch gewählte Regierung des Landes.