Nach dem EU-Gipfel hat SPD-Vorsitzende Andrea Nahles von der CSU ein Ende der Eskalation in der Bundesregierung gefordert. Die Partei solle auf Basis der in Brüssel erreichten Ergebnisse "die Instrumentalisierung dieses Themas jetzt einstellen und wieder zur Vernunft kommen", sagte Nahles. Aus ihrer Sicht seien "Alleingänge und Zurückweisungen an der Grenze vom Tisch".

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte am Samstag vor einem CSU-Bezirksparteitag gesagt, in Brüssel sei mehr erreicht worden als gedacht, die Ergebnisse gestatteten aber nationale Maßnahmen. Die Regierungskrise war dadurch entstanden, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in anderen EU-Ländern registrierte Asylbewerber an den deutschen Grenzen zurückweisen lassen will, was Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ablehnt.

Nahles bekräftigte ihre Unterstützung der EU-Gipfel-Beschlüsse. Sie stellte aber auch klar, dass die geplanten Flüchtlingszentren in EU-Staaten keine geschlossenen Einrichtungen sein dürften. Zugleich begrüßte die SPD-Chefin, dass es gelungen sei, "mit sehr vielen Ländern in Europa" Absprachen zu Rückführungsabkommen zu treffen. Aus Koalitionskreisen hieß es dazu, es gehe neben den bereits bekannten, geplanten Abkommen mit Griechenland und Spanien um 14 weitere Länder. Nahles nannte konkret Polen, Tschechien und Ungarn sowie Dänemark. Tschechien hat eine solche Übereinkunft allerdings dementiert.

Mit Blick auf die Absprachen mit Griechenland und Spanien kritisierte Nahles die Zustände in den Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge in Südeuropa. Diese seien teilweise "absolut katastrophal" und würden nicht dem entsprechen, was man von Europa erwarte. Allerdings sehe sie in einer stärkeren Verantwortung der EU die Chance, dass sich die Lage verbessert.

Zu ebenfalls geplanten Aufnahmeeinrichtungen in nordafrikanischen Staaten sagte Nahles: "Wir halten es nicht für wahrscheinlich, dass es dazu kommt, und wir sind auch nicht überzeugt von dieser Idee." Sie wies darauf hin, dass überhaupt noch nicht klar sei, ob einer der betroffenen Staaten zum Aufbau eines solchen Lagers bereit sei. Dies solle zunächst nur ausgelotet werden.