In Afghanistan sind durch zwei Angriffe der radikalislamischen Taliban mindestens 40 afghanische Polizisten und Soldaten getötet worden. Die Taliban griffen einen Stützpunkt in der Provinz Kundus in Nordafghanistan an, wie ein Mitglied des Provinzrats mitteilte. Dabei wurden demnach mindestens 23 Polizisten getötet. Bis 2013 war Deutschland für die Sicherheitslage in Kundus verantwortlich.

Etwa zeitgleich attackierten die Taliban einen Stützpunkt der afghanischen Armee in der Provinz Herat in Westafghanistan. Dabei seien 17 Soldaten getötet und 13 weitere verletzt worden, sagte ein Sprecher der Provinzregierung. Demnach starben auch mehrere Kämpfer der Taliban. Örtlichen Behördenangaben zufolge konnten die Islamisten Waffen erbeuten. Die Taliban selbst reklamierten die Attacke für sich und sprachen von 18 getöteten Soldaten.

Die Angriffe ereigneten sich wenige Stunden bevor die Taliban eine dreitägige Waffenruhe ausriefen. Vom 16. bis 18. Juni – zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan – wollen die Milizen vorübergehend keine afghanischen Sicherheitskräfte angreifen. Die Waffenruhe gelte jedoch nicht für internationale Truppen, teilte die Führung der Taliban mit. Zudem werde jeder Angriff des afghanischen Militärs erwidert.

Erste Waffenruhe seit 2001 möglich

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hatte vor zwei Tagen seinerseits angekündigt, die afghanische Armee werde die Taliban vom 12. bis 19. Juni nicht angreifen. Sollten sich beide Seiten an ihre Ankündigungen halten, wäre es die erste Waffenruhe zwischen Regierung und Islamisten seit dem Sturz der Talibanregierung im Jahr 2001.

Es ist unklar, ob die jüngsten Angriffe der Taliban in Kundus und Herat Auswirkungen auf den Waffenstillstand haben. Auf Twitter schrieb Ghani allerdings am Mittag – also nach den Attacken –, dass er die von den Taliban angekündigte Waffenruhe begrüße.

Die Taliban führen in Afghanistan derzeit wie jedes Jahr ihre Frühjahrsoffensive durch. In der Vergangenheit hatten sie häufig am Ende des Ramadan Angriffe auf Menschenmengen verübt. Das sogenannte Eid al-Fitr ist das wichtigste Fest für Muslime, bei dem sich die Familien zum Mahl versammeln. In Afghanistan besuchen die Menschen auch die Gräber ihrer getöteten Angehörigen.