Wer bietet der Welt das hässlichere Bild: Amerika oder Europa? Es ist ein trauriger, ein trostloser Wettbewerb.

Über Monate hat die Regierung Trump an der Grenze zu Mexiko Familien auseinanderreißen lassen; erst als der Proteststurm zu einem Orkan der Empörung wurde, erlaubte der Präsident den Kindern, bei den Eltern zu bleiben.

Auf dem Mittelmeer warten Rettungsschiffe und ein Containerriese mit Hunderten von Flüchtlingen darauf, einen europäischen Hafen anlaufen zu dürfen. Aber erst nach Tagen erbarmen sich Spanien, Malta und Italien der aus Seenot geretteten Afrikaner. Soll sich gefälligst Libyen um jene kümmern, die der italienische Innenminister "Menschenfracht" nennt!

Es geht der CSU nicht um Flüchtlinge allein

Da möchte die CSU nicht abseits stehen. Sie will dem "Asyltourismus" an Deutschlands Grenzen ein Ende setzen. Aber es geht ihr nicht um die Flüchtlinge allein. Kaum verhüllt betreibt sie den Sturz der Kanzlerin, allen frommen Dementi zum Trotz.

Merkel müsse "weg" – das sagte einem Bericht der Augsburger Allgemeinen zufolge Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer auf einem Dorffest im Unterallgäu in kleiner Runde. Statt eines Dementis reagierte der Minister auf den Zeitungsbericht mit der schriftlichen Stellungnahme: "Ich denke, die Hoch-Zeit von Kanzlerin Merkel ist vorbei."

Das denkt offenbar auch sein Chef, Ministerpräsident Markus Söder. Ihn zitiert die Welt am Sonntag mit dem Satz: "Zu meiner Abschlusskundgebung kommt keine Bundeskanzlerin, sondern ein Bundeskanzler." Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz hat laut Welt am Sonntag bereits für das Finale des bayerischen Landtagswahlkampfs zugesagt.

Sie wollen Merkel loswerden, am liebsten sofort. Mit ihr ließen sich keine Wahlen mehr gewinnen, glauben die harten Jungs von der CSU. Merkel habe das Gefühl für die Stimmung im Lande verloren.

Merkwürdig nur, dass eine Forsa-Umfrage zu dem Ergebnis kommt, in Bayern seien nur 38 Prozent der Bürger mit der Arbeit von Markus Söder zufrieden, mit der Arbeit der Bundeskanzlerin immerhin 43 Prozent. Und 68 Prozent der befragten Bayern halten die von Merkel angestrebte europäische Lösung in der Flüchtlingspolitik für eine gute Idee.