US-Außenminister Mike Pompeo hat die vom Iran angekündigte Ausweitung der Uran-Anreicherung kritisiert. "Wir werden es dem Iran nicht erlauben, Nuklearwaffen zu entwickeln", twitterte Pompeo. Dem Iran seien die möglichen Konsequenzen und die Geschlossenheit der USA bekannt.

Nachdem die USA das Atomabkommen aufgekündigt hatten, hatte die Führung in Teheran angekündigt, Vorbereitungen für eine Beschleunigung der Uran-Anreicherung zu treffen. So wurde in Natans im Zentraliran eine neue Zentrifugenfabrik eröffnet. Dort könnte das Land schnellere Zentrifugen herstellen, die über eine höhere Uran-Anreicherung den Brennstoff für iranische Reaktoren liefern könnten.

Iran bereitet sich auf Scheitern des Abkommens vor

Bilder des Staatsfernsehens zeigten den iranischen Atomchef Ali Akbar Salehi, wie er die Anlage einweiht. "Wir hoffen, dass ein Scheitern des Deals nicht eintreffen wird, aber technisch bereiten wir uns trotzdem schon vor", sagte Salehi, der auch Vizepräsident des Irans ist. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA sei über die Vorbereitungen informiert worden. Diese verstießen weder gegen das Abkommen noch gegen die Vorschriften der IAEA.

Demnach sei der Bau der Fabrik in Natans bereits vor dem Abschluss des Abkommens 2015 begonnen worden. Die ersten älteren Zentrifugen sollen schon in einem Monat produziert sein. Bis zu einer Massenanfertigung von einer Generation Zentrifugen werden laut Salehi noch Jahre vergehen.

Das Atomabkommen erlaubt dem Iran, in Natans 5.060 Zentrifugen eines älteren Modells zu nutzen. Damit darf Uran bis auf maximal 3,67 Prozent spaltbares Material angereichert werden. Zudem darf das Land nur 300 Kilogramm Uran behalten. Bei einem Scheitern des Abkommens droht die iranische Regierung, diese Begrenzungen nicht mehr einzuhalten. Insgesamt können in der Anlage in Natans bis zu 50.000 Zentrifugen betrieben werden.

Keine stärkere Zusammenarbeit mit IAEA-Kontrolleuren

Natans liegt etwa 250 Kilometer südlich der iranischen Hauptstadt Teheran. Nach iranischer Darstellung dient das Atomwaffenprogramm des Landes friedlichen Zwecken, doch in westlichen Ländern hat es Sorgen gegeben, dass die Anlage in Natans der Produktion von Uran für Atomwaffen dient. Der Iran sieht jedoch keine Veranlassung stärker mit den Kontrolleure der IAEA zusammenzuarbeiten. "Da der Iran nicht vom Atomabkommen profitiert, sollte niemand erwarten, dass der Iran freiwillige Maßnahmen umsetzt", sagte der iranische Botschafter bei der IAEA, Reza Najafi.

Atomchef Salehi begründete die neuen Pläne zur Atomanreicherung mit der Energieversorgung des Landes. "Von Anfang an hatten unsere Atomprojekte lediglich wirtschaftliche und keine militärischen Ziele", sagte er. Laut Salehi sei die Herstellung von Massenvernichtungswaffen vom Islam wie von einem Dekret des iranischen Führers grundsätzlich verboten. Das gelte unabhängig davon, ob der Iran im Atomabkommen bleibe oder nicht.

Bundesregierung bezeichnet Schritt als "nicht hilfreich"

Im Mai hatten die USA das Atomabkommen von 2015 aufgekündigt, das ihrer Ansicht nach den Iran nicht davon abhalte, Atomwaffen zu entwickeln. Sie wollen den Iran mit neuen Wirtschaftssanktionen zu einer Abkehr vom Atom- und Raketenprogramm bringen und eine Änderung des israelfeindlichen Kurses erzwingen. Die anderen Mitunterzeichner Großbritannien, Frankreich, Deutschland, China und Russland wollen an dem Abkommen festhalten. Unter anderem möchte die EU-Kommission europäische Unternehmen vor möglichen US-Sanktionen schützen.

Die aktuelle Ankündigung des Irans, nun wieder Uran anreichern zu wollen, stieß in Europa allerdings auf Kritik. Die Bundesregierung bezeichnete den Schritt als "nicht hilfreich", während Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian von einer "ziemlich unangebrachten" Initiative Teherans sprach und warnte, dass es sei immer gefährlich, sich "roten Linien" anzunähern. Laut Le Drian müssten sich die Iraner klarmachen, "dass sie sich neuen Sanktionen aussetzen, wenn sie die Vereinbarung brechen, und dass die Europäer dann nicht untätig bleiben können".

Israel reagierte zuvor deutlich schärfer: Die dortige Regierung drohte mit einem militärischen Angriff, sollte die iranische Führung ihr Programm zur Entwicklung von Atomwaffen wieder aufnehmen.