Die israelische Regierung verurteilt die von Irans oberstem Führer angeordneten Vorbereitungen für eine unbegrenzte Urananreicherung und droht dem Land mit einem militärischen Angriff. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte in einer Videobotschaft, Iran wolle "ein Arsenal von Atombomben" produzieren, um Israel zu zerstören. "Wir sind nicht überrascht. Wir werden dem Iran nicht gestatten, sich Nuklearwaffen zu verschaffen."

Geheimdienstminister Israel Katz teilte mit, wenn die Führung in Teheran ihr Programm zur Entwicklung von Atomwaffen wieder aufnehme, werde "eine internationale Koalition unter US-Führung den Iran vorwarnen und dann militärisch angreifen". Verteidigungsminister Avigdor Lieberman nannte die Ankündigung Teherans "ein Zeichen von Massenhysterie und Panik innerhalb der iranischen Führung".

Zuvor hatte der oberste Führer, Ajatollah Ali Chamenei, die staatliche Atomorganisation des Iran aufgefordert, ab sofort mit den Vorbereitungen für eine Wiederaufnahme der unbegrenzten Urananreicherung zu beginnen. Das Projekt verstoße aber nicht gegen das internationale Atomabkommen von 2015, hieß es von der iranischen Atomorganisation. Behördenchef Ali Akbar Salehi sagte, darüber sei die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien auch schriftlich informiert worden.

In dem Brief an die IAEA hatte das iranische Regime bekannt gegeben, dass es seine Urananreicherung ausweiten wird. Nach Angaben des Sprechers der Atombehörde in Teheran, Berhus Kamalwandi, sollen hierzu leistungsstärkere Zentrifugen in Betrieb genommen werden. Bereits an diesem Mittwoch sollen in der Urananreicherungsanlage Natans die Vorbereitungen für ein neues Produktionszentrum beginnen. 

Im Juli 2015 hatte sich Iran im Rahmen des internationalen Atomabkommens dazu verpflichtet, die Zahl seiner Zentrifugen in Natans und der Urananreicherungsanlage Fordo deutlich zu reduzieren. Zudem hatte das Regime zugesagt, Uran nicht mehr auf 20 Prozent anzureichern – eine wichtige Grenze zur Produktion atomwaffenfähigen Urans, an das sich das von Klerikern beherrschte Land laut der IAEA bislang auch gehalten hat. 

Druckmittel gegen Europäer

Behördensprecher Kamalwandi zufolge will Iran diese Grenze weiterhin einhalten. Auch der Chef der iranischen Atomorganisation IAO, Ali Akbar Salehi, betonte, dass man sich mit den "neuen Projekten" innerhalb des Atomabkommens bewege. Die "praktischen Vorbereitungen" verstießen nicht gegen dessen Vorschriften, sagte er. Darüber sei die IAEA ebenfalls schriftlich informiert worden.

Beobachter werten die Ankündigung vor allem als Druckmittel gegen die europäischen Verhandlungspartner des Irans, die sich trotz der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens durch US-Präsident Donald Trump dem Vertrag weiterhin verpflichtet fühlen. Iran verlangt von Großbritannien, Frankreich und Deutschland konkrete Garantien, um die iranische Wirtschaft vor den nun wieder gültigen US-Sanktionen zu schützen. Anderenfalls, so hieß es aus Teheran, werde man die Urananreicherung wieder hochfahren.

Zuletzt hatte der politische und religiöse Führer Irans, Ali Chamenei, angekündigt, im Falle eines Scheiterns des Atomabkommens die Kapazitäten zur Anreicherung von Uran zu erhöhen. "Unsere Feinde können unseren nuklearen Fortschritt niemals aufhalten", hatte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede erklärt. Auf die EU bezogen sagte Chamenei, der Iran könne keinem Land trauen und müsse sich jetzt schon auf ein Scheitern des Atomabkommens vorbereiten.