Xanthe Hall ist Vorstandsmitglied von Ican Deutschland. Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (International Campaign to Abolish Nuclear Weapons) wurde 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Hall arbeitet hauptamtlich für die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW).

Der gemeinsame Gipfel von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un in Singapur war groß inszeniert. Die am Ende von beiden unterzeichnete Erklärung ist dagegen ein vage abgefasstes Dokument. Ihr Inhalt ist oberflächlich und enthält wenig konkrete Verabredungen. Dennoch ist zu begrüßen, dass die beiden Kontrahenten zueinandergefunden haben und sich zu weiteren Gesprächen verabreden wollen.

Das Verhalten von Donald Trump nach dem G7-Treffen lässt jedoch erahnen, was geschehen kann, falls Kim Jong Un die Übereinkunft nach dem Gipfel anders bewerten sollte als er. Die Erklärung ist schließlich interpretierbar. Das Dokument sagt nichts darüber aus, was eine "komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel", die laut Erklärung angestrebt wird, denn konkret bedeutet.

Im Handumdrehen könnten Trump und Kim in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Die erklärte US-Politik des maximalen Drucks beinhaltete massive Drohungen, falls das gewünschte Ziel nicht erreicht wird. Trumps Hintermänner haben vor dem Gipfel bereits öffentlich deutlich gemacht, dass Militäreinsätze drohen. Auch Kims Verhalten zeigt, dass er schnell und konsequent reagiert, wenn er verletzt ist.

Eine Beendigung des Koreakriegs

Für Südkorea wäre das fatal. Nicht nur, weil Nordkorea eine riesige Armee hat, sondern auch weil das Risiko eines Atomwaffenangriffs auf Südkoreas Hauptstadt Seoul dann groß wäre. Ein solcher Einsatz würde – wegen der Dichte der Bevölkerung in der Stadt – Millionen von Menschen das Leben und die Gesundheit kosten. Ein solcher Atomschlag könnte die katastrophalen Folgen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki weit übertreffen. Wenn die USA im umgekehrten Fall Pjöngjang atomar angreifen würden, wäre auch Seoul vom Fallout betroffen, da die beiden Hauptstädte nah beieinanderliegen.

Nicht nur vor dem Hintergrund der Erinnerung an die Opfer der Atomwaffeneinsätze in Japan, der viele koreanische Kriegsgefangene zum Opfer gefallen sind, schuldet die internationale Gemeinschaft der koreanischen Bevölkerung im Süden und Norden eine stabile Lösung des Konfliktes. Zentral ist dafür eine Beendigung des Koreakriegs, der schon 1953 hätte befriedet werden müssen. Ohne Friedensvertrag blieb der Konflikt eingefroren und seitdem sind die USA in Südkorea mit Streitkräften inklusive Trägersystemen für Atomwaffen präsent. Die jährlich abgehaltenen Militärübungen der südkoreanischen und US-amerikanischen Streitkräfte erinnern allzu deutlich daran, dass es noch keinen Frieden gibt.

Ein wünschenswertes Ergebnis des Gipfels wäre eine Erklärung mit einem klaren Plan gewesen, wie ein Friedensvertrag ausgehandelt wird. Zwar haben die USA Nordkorea Sicherheitsgarantien in Aussicht gestellt, ohne diese näher zu definieren. Wichtig für den Frieden auf der Halbinsel wäre aber ein Abzug der atomwaffenfähigen Trägersysteme, eine sukzessive Reduzierung der militärischen Präsenz der US-Streitkräfte und ein Ende der gemeinsamen Militärübungen.

Kim Jong Un hat zwar in der Singapur-Erklärung mit dem Bekenntnis zu einer Entnuklearisierung der Halbinsel die Bereitschaft signalisiert, sein Atomwaffenprogramm zur Disposition zu stellen. Aber die Bedingungen dafür sind noch unklar und der Prozess könnte aufgrund überzogener Forderungen noch entgleisen, wie schon so oft in der Vergangenheit.