Es ist ein Auftritt, den sich die Demokraten in den USA lange gewünscht haben: Ende Juni tritt Ex-Präsident Barack Obama in Los Angeles als Star-Gast bei einem Spendendinner auf, um Geld für den Wahlkampf seiner Partei im Herbst zu sammeln. Kehrt also Obama zurück ins politische Rampenlicht? Und wird ihm das nutzen oder schaden?

Bei diesem Dinner werden allerdings nur sehr wenige Menschen Obama zu Gesicht bekommen. Denn schon die billigsten Plätze kosten 2.700 Dollar. Wer in der unmittelbaren Nähe des Ex-Präsidenten Platz nehmen möchte, muss 100.000 Dollar zahlen. Solche Spendendinner sind in den USA zwar üblich. Dass Barack Obama dabei mitmacht, jedoch nicht. Der Ex-Präsident hasste es schon zu seiner aktiven Zeit, Geld für seine Partei zu sammeln. 

Doch das Spendendinner wird nicht die einzige Wahlkampfveranstaltung Obamas bleiben. Er hat angekündigt, vor den Zwischenwahlen im November aufzutreten. Einigen Kandidaten hat er bereits seine Unterstützung zugesichert, und die Demokratische Partei freut sich darauf. "Er hat es in vier Jahren vom state senator zum Präsidenten der Vereinigten Staaten geschafft. Er kennt sich damit aus, Wahlen zu gewinnen und eine Marke aufzubauen", sagte etwa Tom Perez, Parteichef der Demokraten, bereits im Frühjahr.

Mehr Fotos beim Windsurfen als auf Wahlkampfbühnen

Seit dem Amtsantritt von Donald Trump vor ziemlich genau 500 Tagen veröffentlichte der Ex-Präsident bislang mal ein Statement oder schickte einen Tweet, wenn es sein Nachfolger aus Obamas Sicht gar zu bunt trieb. Er trat außerdem im Gouverneurswahlkampf in Virginia auf und nahm für den demokratischen Kandidaten im Senatswahlkampf in Alabama eine Sprachnachricht auf. Ansonsten gab es in den vergangenen eineinhalb Jahren von ihm mehr Fotos beim Windsurfen als auf Wahlkampfbühnen.

Doch ein aktuelles Buch verschafft seinen Ideen wieder viel Aufmerksamkeit in den USA. Es zeigt auch, wie besorgt Obama tatsächlich über die Trump-Präsidentschaft war. In The World As It Is rekapituliert Ben Rhodes, ein enger Vertrauter des Ex-Präsidenten, Obamas Zeit im Weißen Haus – und auch den Schock, den Trumps Wahlsieg bei ihm auslöste.

Rhodes beschreibt, wie der Präsident von der Sorge übermannt wurde, was aus seinem Vermächtnis in den Händen seines Nachfolgers werden würde. "Was, wenn wir unrecht hatten?", soll Obama gefragt haben. Er habe außerdem mit Blick auf den teils offen rassistischen Backlash gesagt: "Manchmal frage ich mich, ob ich zehn oder zwanzig Jahre zu früh gekommen bin."

Bewunderung für Angela Merkel

Aber in Rhodes' Buch wird ebenfalls klar, dass der Ex-Präsident zunächst auf Zurückhaltung setzte. Andere sollten die Ideale seiner Amtszeit in die Zukunft tragen – junge demokratische Gouverneure und Senatoren in den USA sowie vertraute Regierungschef auf der ganzen Welt. Besonders im Blick hatte er dabei laut Rhodes Kanadas Premierminister Justin Trudeau – und Bundeskanzlerin Angela Merkel.