Der leitende Ermittler im Fall der ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia muss wegen möglicher Interessenkonflikte abberufen werden. Silvio Valletta sei mit einer Ministerin der Regierung verheiratet und gehöre zudem der nationalen Antigeldwäschebehörde an, begründete der Vorsitzende Richter des Verfassungsgerichts seine Entscheidung. Einen entsprechenden Antrag hatte die Familie des Opfers gestellt.

Der Richter ordnete zudem an, dass Vallettas Nachfolger dessen bisherige Beteiligung an den Ermittlungen überprüft.

Die regierungskritische Enthüllungsjournalistin war am 16. Oktober 2017 in ihrem maltesischen Wohnort Bidnija von einer Autobombe getötet worden. Der Tod der damals 53-Jährigen löste auf Malta und im Ausland Empörung aus. Ihre Laptops befinden sich derzeit beim Bundeskriminalamt. Die Daten gelten als brisant, weil sie Hinweise auf Informanten enthalten, aber womöglich auch Auskunft über die Motive der bislang unbekannten Hintermänner des Mordes geben.

Die Familie der Journalistin wirft den maltesischen Behörden vor, nicht genügend zu tun, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Vor ihrer Ermordung hatte Galizia Korruptionsvorwürfe bis in höchste Staatsämter recherchiert und unter anderem die Existenz von Offshore-Konten des maltesischen Premierministers Joseph Muscat nachgewiesen.

Valletta ist stellvertretender Polizeichef und mit Justyne Caruana verheiratet, Maltas Ministerin für die Insel Gozo.