Das Treffen von Donald Trump und Kim Jong Un endet, wie es angefangen hatte: mit großer Symbolik. Von zwei Seiten schreiten die beiden Staatsmänner aufeinander zu, hinter ihnen eine Wand aneinandergereihter amerikanischer und nordkoreanischer Flaggen. Die Männer geben sich einen festen Händedruck, mit freundschaftlichem Griff zum Oberarm. Damit es wirklich jeder mitbekommt, spricht der US-Präsident es noch einmal laut aus: "Das ist ein historischer Moment."

Diese Szenen des historischen Gipfels kann Trump niemand mehr nehmen. Doch ob er mit dem Treffen als großer Friedensstifter oder nützlicher Idiot eines Diktators in die Geschichte eingeht, wird sich wohl erst in den kommenden Jahren zeigen. Zunächst werden die Einschätzungen über den Gipfel stark auseinandergehen.

Vorweisen kann der US-Präsident immerhin eine Abschlusserklärung. Wie eine kleine Beute klemmten sich beide Staatsmänner die Mappe unter den Arm. Darin steht immerhin, dass Nordkorea verspricht, auf "die komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel" hinzuarbeiten. Doch ähnliche Aussagen hatte das Regime schon zuvor gemacht. Ohne genau zu erklären, was es damit eigentlich meint.

Die Staaten verpflichten sich zu weiteren Maßnahmen: Sie wollen neue Beziehungen aufbauen, friedlich sein und einigen sich auf die Rückführung der sterblichen Überreste von Kriegsgefangenen und Vermissten. Einen Zeitplan gibt es aber nicht. Jeffrey Lewis, Direktor des Ostasien Nonproliferation Program der kanadischen Nukleargesellschaft, nennt es so: "Sie haben einen Vertrag unterzeichnet, den die Nordkoreaner geschrieben haben." Alles gibt Trump aber zunächst nicht aus der Hand: Die Sanktionen bleiben bestehen.

Politik und freundschaftliche Berührungen

Bei Trumps Anhängern wird der Auftritt aber zunächst in guter Erinnerung bleiben: Trump, der das Tor zum Frieden aufgestoßen hat, mit einer großen Geste und viel Tamtam. Und noch ist es zu früh, diesen Ansatz als komplett gescheitert zu bezeichnen. Wandel durch Annäherung, versprach der frühere Bundeskanzler Willy Brandt einst bei seiner der DDR zugewandten Ostpolitik. In Trumps und Kims Fall muss man wohl von einem Wandel durch Schulterklopfen sprechen.

Es war in vielerlei Hinsicht ein besonders Treffen: Immer wieder zeigten sich die beiden Politiker, wie sie gemeinsam durch den Hof des Luxushotels wanderten und sich gegenseitig freundschaftlich berührten. Trump schien es tatsächlich darum zu gehen, seinen Widersacher erst einmal kennenzulernen. Vieles lief spontan. Während Singapur die Infrastruktur perfekt organisiert hatte, schien es einige Unstimmigkeiten beim Ablauf des sonst durchprotokollierten Treffens zu geben. Kurz nachdem Trump der Presse zuruft, man werde jetzt etwas unterschreiben, herrscht plötzlich Ratlosigkeit bei den Politikern und ihren Delegationen. Einige Minuten stehen sie einfach nur im Hof herum, werden gefilmt von weit entfernten Kameras. Schließlich sagt Trump ein paar Worte zu Kim, und die Delegationen verschwinden wieder in getrennten Räumen. Später wird recht provisorisch ein Tisch für die Unterschrift bereitgestellt.

Bei der Gipfel-Inszenierung kam Trump seine Statur zugute. Kim, halb so alt und deutlich kleiner, stand gelegentlich etwas verloren neben dem US-Präsidenten, fast wie ein Ziehsohn. Kims Mund ist immer etwas geöffnet, was ihn fast ein bisschen schläfrig wirken lässt. "Wollen Sie der Presse auch etwas sagen?", fragte Trump kurz vor der Unterschriftenzeremonie, als kurz Stille herrschte. Es klang mehr wie ein Befehl als eine Frage.

Auf ein Wiedersehen im Weißen Haus

Der US-Präsident zollte dem Diktator aber auch großen Respekt. "Er ist ein sehr talentierter Mann, der sein Land außerordentlich liebt", lobte Trump den Nordkoreaner. Außerdem sei Kim ein "harter Verhandler". Auf der anschließenden Pressekonferenz sagte Trump: "Er organisiert das Land, und er organisiert es tough." Der Nordkoreaner revanchierte sich: "Ich möchte Donald Trump dafür danken, dass er dieses Treffen ermöglicht hat."

Doch genau das ist das größte Manko von Trumps Strategie: Vom geächteten Verbrecher hat er Kim Jong Un innerhalb weniger Wochen zu einem gefragten Staatsmann gemacht, der sich im Maybach durch die Metropolen der Welt kutschieren lässt. Vielleicht war das ohnehin das wichtigste Ziel des nordkoreanischen Machthabers.

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Noch am Vorabend spazierte der Diktator samt Entourage durch Singapur, beim Besuch des berühmten Gebäudes Marina Bay Sands wurde er mit Jubel begrüßt. Mit Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan posiert er für ein Selfie. Für die Hoffnung auf Frieden und Abrüstung hat US-Präsident Donald Trump einen Paria zum Popstar gemacht.

Das nächste Großevent mit dem Nordkoreaner könnte bereits bevorstehen. Als Trump gefragt wurde, ob er Kim denn ins Weiße Haus einladen würde, antwortete der begeistert: "Absolut." Später schränkte er zwar ein: Wenn die Zeit dafür reif sei. Doch sogar einen Besuch in Nordkorea will Trump nicht ausschließen.