Nordkorea-Gipfel - »Dieser Gipfel ist eine absolute Wundertüte« Vor dem Start der Verhandlungen scheinen die Positionen der USA und Nordkorea unvereinbar. Im Video schätzt unser Redakteur Frederic Spohr in Singapur die Lage ein.

US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un werden ihr Gipfeltreffen in Singapur mit einem Gespräch unter vier Augen beginnen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Regierungskreise. Demnach sollen in den ersten zwei Stunden lediglich Dolmetscher anwesend sein, wenn sich die beiden Politiker um 3.00 Uhr (MESZ) im Hotel Capella auf der Insel Sentosa treffen. Im Anschluss sollen deren Berater hinzukommen.

Das Treffen zwischen Trump und Kim ist das erste überhaupt zwischen einem US-Präsidenten und einem nordkoreanischen Machthaber. Die US-Regierung hofft, Nordkorea langfristig zur atomaren Abrüstung bewegen zu können. Kim hatte sich im Vorfeld des Gipfels zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel bekannt. Unklar blieb jedoch, was genau er damit meinte. Zudem forderte er für den möglichen Abbau seines Atomprogramms Sicherheitsgarantien von den USA, die ihm diese aber erfüllen wollen. US-Außenminister Mike Pompeo sprach von "beispiellosen Sicherheitsgarantien" – wenn Nordkorea einer "vollständigen, überprüfbaren und unumkehrbaren Denuklearisierung" zustimmt.

"Vorfreude liegt in der Luft"

Aus US-Regierungskreisen wurde verlautbart, die Stimmung auf amerikanischer Seite sei zu gleichen Teilen von Optimismus und Skepsis geprägt. "Es gibt kein Szenario, das uns überraschen würde", hieß es. Pompeo zufolge müssten "noch viele Details" ausgearbeitet werden. "Es gibt noch viel zu tun", sagte er, gab sich zugleich aber optimistisch, dass ein positives Ergebnis zustande kommt. "Wir kommen schneller voran als erwartet."

Nordkoreanische Staatsmedien sprachen von einem Gipfel, der Teil einer "gewandelten Ära" sei. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA geht es um einen "dauerhaften und beständigen Mechanismus zur Friedenssicherung". Kim werde von Außenminister Ri Yong Ho, Verteidigungsminister No Kwang Chol und seiner Schwester Kim Yo Jong begleitet.

Trump, der mit Pompeo, dem Nationalen Sicherheitsberater John Bolton und Stabschef John Kelly anreiste, war am Sonntag direkt vom kontroversen G7-Treffen in Kanada nach Singapur geflogen. "Es ist großartig, in Singapur zu sein. Vorfreude liegt in der Luft", twitterte er von seinem Hotel aus, nur wenige Meter von der Unterkunft Kims entfernt. "Ich glaube einfach, es wird gut laufen", sagte Trump später und ist – zumindest nach Angaben seines Außenministers – auf das Treffen gut vorbereitet. Zuletzt hatte Trump die Erwartungen an das Treffen allerdings gedrosselt. Dieses erste Gespräch sei der Beginn eines längeren Prozesses, hatte er gesagt.