Albanien hat sich gegen Überlegungen ausgesprochen, auf seinem Staatsgebiet EU-Asylzentren zu errichten. Solche Lager werde man niemals akzeptieren, sagte der albanische Ministerpräsident Edi Rama der Bild-Zeitung. Sein Land wolle die Zentren nicht, wenn das bedeute, "verzweifelte Menschen irgendwo abzuladen wie Giftmüll, den niemand will". Es sei eine "gefährliche Lösung, Albanien zum Wellenbrecher für Europas Flüchtlinge" machen zu wollen.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hatte zuletzt zwei Auffanglager auf dem Balkan vorgeschlagen – in Albanien und Mazedonien. Bei dem Minigipfel zur Asylpolitik, der am vergangenen Sonntag in Brüssel stattgefunden hatte, hatten sich Staats- und Regierungschefs aus 16 EU-Mitgliedstaaten dafür ausgesprochen, Asylanträge von Migranten und Flüchtlingen bereits zu prüfen, bevor diese in die EU einreisen. Dazu sollten sogenannte Hotspots auf dem Balkan und in Nordafrika eingerichtet werden, hieß es aus EU-Kreisen. Neben Albanien nannte der französische Präsident Emmanuel Macron nach dem Gipfel vor allem Libyen, aber auch Algerien, Ägypten, Marokko, Niger und Tunesien als mögliche Orte.

Rama brachte die Asylzentren mit einem möglichen EU-Beitritt seines Landes in Verbindung: Auch als eine Gegenleistung dafür werde sein Land keine solchen Lager einrichten. Die Flüchtlingskrise müsse unabhängig vom aktuellen Stand der Beitrittsversuche Albaniens bewältigt werden. Die EU-Staaten hatten sich am Dienstag nach schwierigen Verhandlungen grundsätzlich auf den Beginn von Beitrittsverhandlungen mit Albanien und Mazedonien geeinigt.