Der US-Präsident sieht sich wegen der Trennung von Migrantenkindern von ihren Eltern an der Grenze zu Mexiko scharfer Kritik ausgesetzt. Am Dienstag äußerte sich der mexikanische Außenminister Luis Videgaray zu der Sache. Kinder von ihren Eltern zu trennen, sei grausam, unmenschlich und ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechte, sagte er.

Doch auch im eigenen Land wächst der Druck auf Trump. Selbst Senatoren der republikanischen Partei forderten den Stopp der Praxis. Trump müsse Familien erlauben, zusammenzubleiben, sagten beispielsweise Ron Johnson, Ted Cruz und John Kennedy. Im Repräsentantenhaus machte ein ähnlich lautender Gesetzentwurf die Runde.

"Das Gegenteil amerikanischer Werte"

Auch verurteilten Unternehmensverbände die Praxis der Grenzschützer scharf. Die Amerikanische Handelskammer forderte, das Vorgehen umgehend zu stoppen. Cisco-Chef Chuck Robbins vom Business Roundtable, eine US-Lobbygruppe mit Chefs von Unternehmen wie Walmart, General Motors, Boeing und Mastercard, sagte: "Die Praxis ist grausam und das Gegenteil amerikanischer Werte." Die Regierung müsse sofort mit den Familientrennungen aufhören. Robbins ist zugleich Leiter des Komitees für Einwanderung beim Business Roundtable.

In der amerikanischen Bevölkerung stößt die Praxis ebenfalls auf Widerstand. Eine zwischen dem 16. und 19. Juni durchgeführte Umfrage von Reuters und dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos ergab, dass 57 Prozent der Befragten das Vorgehen an der Grenze ablehnen. 28 Prozent waren dafür, Kinder von ihren Familien zu trennen. 15 Prozent gaben an, nicht zu wissen, wie sie antworten sollten.

Trump übernimmt keine Verantwortung

Der US-Präsident wies bisher jedoch alle Kritik von sich. Er macht hingegen die Demokraten für die Vorkommnisse verantwortlich. Die würden nämlich neue Einwanderungsgesetze blockieren. "Ihnen ist die Kriminalität egal und sie wollen illegale Einwanderer", sagte Trump. Menschen, die illegal in die USA gelangen wollten, müssten festgenommen werden. Die meisten Kinder kämen zudem ohne Eltern an.

Später warf Trump den Demokraten vor, verantwortlich für Schlupflöcher in Gesetzen zu sein, die nur die Wahl zwischen einer Trennung der Kinder von ihren Eltern oder aber deren Freilassung ließen. Das wolle er nicht. Vielmehr solle der Kongress ein Gesetz verabschieden, dass es erlaube, Familien gemeinsam festzunehmen und abzuschieben.

Trump will das Einwanderungsgesetz ändern

Am Abend begab sich der Präsident dann in den US-Kongress, um mit Republikanern über eine umfassende Reform des Einwanderungsrechts zu sprechen. Es handele sich um "ein echt schlechtes, schlechtes System, wahrscheinlich das schlechteste auf der ganzen Welt", sagte er. "Wir werden sehen, ob wir es reparieren können."

Zu dem Treffen mit der gesamten Republikaner-Fraktion im Repräsentantenhaus kam es vor möglichen Abstimmungen über Vorlagen für eine Einwanderungsreform. Abgeordnete arbeiten unter anderem an einem Plan, der es erlauben soll, Kinder länger festzuhalten – allerdings zusammen mit ihren Eltern. Derzeit liegt die Zeitspanne bei 20 Tagen.

Der überarbeiteten Vorlage zufolge könnten die Kinder dann gemeinsam mit ihren Eltern über einen längeren Zeitraum festgehalten werden. Trump habe den Republikanern im Repräsentantenhaus versichert, zu "1.000 Prozent" hinter den zur Abstimmung stehenden Gesetzesvorlagen zu stehen, berichteten anwesende Gewährsleute im Anschluss.

Einige Demokraten spekulieren allerdings, dass Trump die Krise an der Grenze als Hebel nutze, um ein härteres Einwanderungsgesetz samt Finanzmittel für die von ihm propagierte Grenzmauer durchzusetzen. Die Demokraten sperren sich dagegen.

Bundesstaat New York plant Klage

Der Bundesstaat New York will die Regierung in Washington nun verklagen, wie der demokratische Gouverneur Andrew Cuomo ankündigte. Das Vorgehen der Regierung sei "ein moralisches Versagen und eine menschliche Tragödie", sagte er. Dass die Kinder an der Grenze von ihren Eltern getrennt würden, verstoße unter anderem gegen die Verfassung und Urteile des obersten Gerichts. Eine Stellungnahme der Regierung in Washington zu der Klage lag zunächst nicht vor.

In dem Zeitraum von Mitte April bis Ende Mai trennten US-Behörden an der Grenze zu Mexiko fast 2.000 Kinder von ihren Eltern. Ärzte warnen davor, dass dies zu lebenslangen Traumata führen könne. Mexikos Außenminister Videgaray rief das Nachbarland dazu auf, die Praxis zu überdenken. Die Lage sei inakzeptabel. Auch müsse die internationale Gemeinschaft klar Stellung beziehen. Mexiko habe den USA seine Position erläutert und das Thema bei ranghohen UN-Vertretern angesprochen, darunter Generalsekretär António Guterres.