Italien will zwei unter niederländischer Flagge fahrende Schiffe deutscher Flüchtlingshelfer im Mittelmeer beschlagnahmen. Offiziell, um deren Zugehörigkeit zu überprüfen. Die Schiffe Lifeline und Seefuchs der Organisation Lifeline würden dafür in einen Hafen gebracht, wie Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung erklärte. Die Leben der mehr als 200 Flüchtlinge an Bord der Lifeline würden gerettet werden. 

Ein Sprecher der Hilfsorganisation Mission Lifeline sagte, ihr Rettungseinsatz für die 226 Migranten sei von der zentralen Seenotrettungsleitstelle in Rom koordiniert worden und habe in internationalen Gewässern stattgefunden.

Zuvor hatte Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Partei Lega die Aufnahme der Flüchtlinge durch die NGO kritisiert. Er sagte in einem Video auf Facebook, die Migranten sollten in die Niederlande gebracht werden. Zwischenzeitlich drohte die Situation zu eskalieren wie vor zwei Wochen mit dem Rettungsschiff Aquarius.

Dem Boot der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen wurde damals erstmals die Einfahrt in einen italienischen Hafen verwehrt. Auch Malta verweigerte die Aufnahme, weshalb die Aquarius schließlich ins spanische Valencia fuhr. Salvini forderte Malta und Tunesien auf, aktiv zu werden, und verlangte einen Stopp der "Meerestaxis", wie er die Rettungsschiffe der Hilfsorganisationen nannte.

Deutsche Hilfsorganisation kündigt Ende der Rettungseinsätze an

Der Chef der fremdenfeindlichen Partei Lega will die Seenotretter aus dem Mittelmeer verbannen und sie nicht mehr in Italien anlanden lassen.

Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye kündigte an, ihre Rettungseinsätze abzubrechen. Am Mittwoch habe das niederländische Verkehrsministerium dem Rettungsschiff Seefuchs den seerechtlichen Schutzstatus entzogen, teilte die Organisation mit. "Nach mehr als zwei Jahren intensiver Zusammenarbeit mit den italienischen und niederländischen Behörden ist diese Vorgehensweise absolut unverständlich."