Im Streit über die Aufnahme von 234 Flüchtlingen, die die Lifeline geborgen hat, werfen sich Italien und Malta gegenseitig Unmenschlichkeit vor. Italien forderte Malta auf, dem deutschen Rettungsschiff die Einfahrt in einen seiner Häfen zu erlauben, da es sich in maltesischen Gewässern des Mittelmeers befinde. Der maltesische Innenminister Michael Farrugia antwortete dem italienischen Verkehrsminister Danilo Toninelli per Twitter: "Warum wird ihnen nicht sofort erlaubt, in Italien zu ankern, wie Italien es nun von Malta verlangt? Das ist die wahre Unmenschlichkeit." 

Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat versuchte vor dem Brüsseler Sondertreffen von 16 EU-Staaten der EU zum Flüchtlingsstreit, die Kontroverse  zu entschärfen. Es sei jetzt nicht der Zeitpunkt für gegenseitige Schuldzuweisungen, sagte er. 

Die Lifeline, die seit Donnerstag auf See blockiert wird, wandte sich derweil mit einem Tweet an den italienischen Innenminister, der mit seiner Partei Lega die harte Haltung Italiens im Flüchtlingsstreit dominiert: "Lieber Matteo Salvini, wir haben kein Fleisch an Bord, aber Menschen. Wir laden Sie herzlich ein, sich davon zu überzeugen, dass es Menschen sind, die wir vor dem Ertrinken gerettet haben."

Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte zuvor in einer Videobotschaft erklärt, mit der "Ware" Mensch wollten die Seenotretter als "Vize-Schlepper" Geld verdienen. Den Rettern drohte er mit Festnahmen und Beschlagnahmung ihrer Schiffe.

Vom Brüsseler EU-Gipfel wird am Sonntag keine Lösung in diesem Streit erwartet. Am selben Tag sind etwa 1.000 Migranten vor der libyschen Küste in Schwierigkeiten geraten. 97 von ihnen hat die libysche Küstenwache nach eigenen Angaben zu einem Marinestützpunkt bei Tripolis gebracht. Die Mehrheit von ihnen stamme aus Eritrea, hieß es. Insgesamt laufe die Rettung von sechs Booten vor der Küste im Westen des Landes.

Die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms erklärte am Sonntag, in der Nähe zu sein. Jedoch solle sie auf Anweisung aus Rom die Rettung nicht durchführen. Innenminister Salvini sagte, die italienischen Häfen blieben für NGOs geschlossen: "Basta mit den gefräßigen Hilfsorganisationen." Die libyschen Behörden sollten sich kümmern und die Migranten zurückbringen. 

Nicht nur die Schiffe von NGOs sind von dieser Politik betroffen. So wartete am Wochenende auch ein dänisches Containerschiff mit 113 Flüchtlingen an Bord vor Pozzallo in Sizilien auf die Einfahrt in einen Hafen.