Barcelona wird der spanischen Regierung zufolge ein Schiff mit mehr als 60 Migranten an Bord aufnehmen. Die Open Arms dürfe in der ostspanischen Stadt anlegen, teilte ein Sprecher des Büros von Ministerpräsident Pedro Sánchez mit. Das Schiff werde vier Tage brauchen, um Barcelona zu erreichen. Spaniens neue sozialistische Regierung forderte andere EU-Länder auf, gerettete Migranten mit Würde zu behandeln. Zuvor hatte Italien eine Aufnahme verweigert.

Die Hilfsorganisation Proactiva Open Arms mit Sitz in Barcelona hatte die Menschen zuvor von einem Schlauchboot gerettet. "Trotz der Hindernisse machen wir weiter, das Recht auf Leben der Unsichtbaren zu schützen", schrieb die Organisation auf Twitter. Die Geretteten kommen dem Tweet zufolge aus 14 verschiedenen Ländern, vier von ihnen sind demnach minderjährig.

Italien hat seine Häfen für private Rettungsschiffe blockiert und will auch Proactiva nicht einfahren lassen. Innenminister Matteo Salvini sagte, Proactiva könne "vergessen, in einem italienischen Hafen anzukommen". Das Schiff sei in libyschen Gewässern, fahre unter spanischer Flagge – und der nächste Hafen sei Malta. "Stoppt die Menschenschmuggelmafia", forderte Salvini: "Je weniger Menschen ablegen, desto weniger sterben." Italien will, dass die libysche Küstenwache die Migranten abfängt und zurück in das Bürgerkriegsland bringt.

Malta kritisiert Salvinis Forderung, wonach das Schiff einen maltesischen Hafen ansteuern sollte. Die italienische Insel Lampedusa liege viel näher, sagte Innenminister Michael Farrugia.

"Einmischung in Arbeit der Küstenwache"

Italiens Innenminister Salvini spricht privaten Retterinnen und Rettern im Mittelmeer grundsätzlich die Legitimation ab. "Sie haben keine Berechtigung mehr. Niemand darf sich in die Arbeit der libyschen Küstenwache einmischen", sagte der Politiker der in Teilen rechtsradikalen Lega dem Corriere della Sera. "Malta schließt seine Häfen und Italien hat schon seine Häfen geschlossen. Mehr noch, wir lassen solche Schiffe nicht mehr anlegen, auch wenn sie keine Migranten an Bord haben."

Zwar seien die Dublin-Bestimmungen nicht geändert worden, wonach Flüchtlinge in dem EU-Land Asyl beantragen müssen, in dem sie zuerst den Boden der Union betreten, sagte Salvini. Aber er könne dafür sorgen, dass Migranten, die in maltesischen oder italienischen Gewässern gerettet worden seien, nicht zwangsläufig in Italien landeten: "Das ist etwas, das uns nicht wenig helfen wird."

Salvinis Position führt zu Streit in der italienischen Regierungskoalition. Der Präsident des Unterhauses des Parlaments, Roberto Fico von der Fünf-Sterne-Bewegung, sagte nach dem Besuch eines Aufnahmezentrums für Migranten in einer sizilianischen Hafenstadt, dass er die Häfen nicht schließen würde. Libyen sei "kein sicherer Ort". Fico rief zu mehr Solidarität mit den Migranten auf. Diese hätten "dramatische Geschichten, die das Herz berühren".

Italiens kompromissloser Kurs hat die Arbeit von privaten Rettungsschiffen zuletzt erschwert. Die Schiffe Aquarius von SOS Méditerranée und Lifeline der Dresdner Organisation Mission Lifeline durften nicht in italienischen Häfen anlegen und mussten tagelang auf dem Meer ausharren – mit Hunderten Migranten an Bord. Die Aquarius durfte schließlich in Spanien anlegen, die Lifeline in Malta. Allerdings hat auch die maltesische Regierung eine härtere Politik gegen die Helfer angekündigt.

Panik nach Feuer auf einem Holzboot

Unterdessen ist das Schicksal von etwa 100 im Mittelmeer vermissten Flüchtlingen weiterhin unklar. Es wird befürchtet, dass sie nach dem Kentern eines Bootes vor der libyschen Küste alle ertrunken sind. Nach Angaben der Küstenwache des Landes waren auf dem überfüllten Holzboot etwa 120 Menschen vor allem aus Afrika unterwegs. Ein Überlebender habe berichtet, dass der Motor des Bootes in Brand geraten und eine Panik ausgebrochen sei. 16 Menschen konnten der Küstenwache zufolge gerettet werden.

Libyens Küstenwache fing nach eigenen Angaben zugleich erneut Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer ab. Bei mehreren Operationen seien mehr als 450 Menschen aufgenommen worden, teilte die Küstenwache am Samstag mit. Bereits am Freitagabend hatte sie erklärt, 345 Menschen an Bord von drei Booten aufgegriffen zu haben.