Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz plant in den kommenden Monaten einen EU-Afrika-Gipfel, um die Flüchtlingsthematik auch mit den afrikanischen Staaten zu beraten. Es gebe Überlegungen in diese Richtung, sagte der ÖVP-Vorsitzende dem Sender ORF. Demnach könnte das Treffen in der zweiten Hälfte der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft, also zwischen Oktober und Dezember, stattfinden. Bis dahin, so fügte Kurz hinzu, sollten einzelne EU-Staaten ihre Beziehungen zu afrikanischen Ländern nutzen, um Lösungen zu finden. Konkret nannte er Italien und Libyen sowie Spanien und Marokko.

Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten bei ihrem Gipfel in Brüssel eine Reihe von Verschärfungen in der Asylpolitik beschlossen. In der Nacht zu Freitag verständigten sie sich unter anderem auf eine Stärkung der EU-Grenzschutzbehörde Frontex und unterstützten die Möglichkeit von Aufnahmezentren für Flüchtlinge sowohl inner- als auch außerhalb der EU.

In die Aufnahmelager in Drittstaaten könnten auch aus Seenot gerettete Migranten gebracht werden. Das UN-Flüchtlingswerk UNHCR könnte dort prüfen, wer schutzbedürftig ist und in EU-Ländern aufgenommen wird. Die Abgewiesenen würden von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bei der Rückkehr in ihr Heimatland unterstützt. Aus Staaten, die infrage kommen, wie Libyen, Tunesien oder Marokko, kam allerdings schon deutliche Ablehnung.

Für Österreich ist es die dritte Ratspräsidentschaft – nach 1998 und 2006. "Das ist eine große Ehre für uns, aber auch eine große Verantwortung", sagte Kurz bei einem gemeinsamen Auftritt mit Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow und EU-Ratspräsident Donald Tusk. Inhaltlich wird während der nächsten sechs Monate vor allem das Thema Migration im Mittelpunkt stehen. Kurz betonte zuletzt immer wieder, dass Österreich als Brückenbauer auftreten will. Die österreichische Regierung befürwortet einen besseren Schutz der Außengrenzen sowie die Sammelzentren für Flüchtlinge. Kurz bezeichnete die Einigung als "wichtigen Schritt in die richtige Richtung".

Kurz hofft zudem, dass CDU und CSU ihren Streit um die Asylpolitik beenden und es gelingt, "sich auf eine gemeinsame Linie in Deutschland zu einigen". Sollte Deutschland – wie von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) angedroht – seine Grenzen schließen, würde Österreich dies ebenfalls tun. "Dies würde einen Dominoeffekt auslösen gegen illegale Migration", sagte Kurz der Bild-Zeitung. Alle möglichen Grenzschließungen sollten deshalb in enger Abstimmung mit den Nachbarstaaten passieren.