Kurz vor Beginn des G7-Gipfels führender Wirtschaftsmächte in Kanada hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit einer Ausgrenzung der USA gedroht. "Dem amerikanischen Präsidenten mag es egal sein, wenn er isoliert ist", schrieb Macron auf Twitter. "Genauso wenig aber macht es uns etwas aus, eine Vereinbarung von sechs Ländern zu unterzeichnen, wenn die Notwendigkeit dazu besteht."

Macron war als erster der Staats- und Regierungschefs nach Kanada gereist, um mit Premierminister Justin Trudeau zu beraten, wie mit Trump umgegangen werden soll. Beide kritisierten nach ihren Gesprächen dessen Rückzug aus dem Pariser Klimavertrag sowie dem Iran-Abkommen und dem Verhängen von Importzöllen. "Man kann keinen Handelskrieg zwischen Freunden anzetteln", sagte Macron.

Trump antwortete auf Twitter: "Bitte sagt Premierminister Trudeau und Präsident Macron, dass sie selbst von den USA massive Zölle verlangen und andere Handelshürden aufstellen." Die EU habe mit den USA einen Handelsüberschuss von 151 Milliarden Dollar und Kanada würde amerikanischen Bauern den Marktzugang verweigern.

"Die können wir nicht mehr unter den Teppich kehren"

Neue Kritik an Trump kam auch von Bundesaußenminister Heiko Maas. Er sagte der Süddeutschen Zeitung, es gebe Differenzen, "die können wir nicht mehr unter den Teppich kehren". Trumps Nein zum Klimavertrag und zum Atomabkommen mit dem Iran sowie die von ihm verhängten Importzölle seien alles einseitige Entscheidungen zum Schaden Europas, sagte der SPD-Politiker. Der US-Präsident nehme "bewusst in Kauf, dass die Nachteile sich unmittelbar in Europa auswirken".

Der Gipfel der G7 beginnt an diesem Freitag. Wegen der erheblichen Meinungsunterschiede zwischen den USA unter Trump auf der einen Seite und Kanada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien und Japan auf der anderen Seite droht ein Bruch des Bündnisses. Vor Beginn des Gipfels wollen sich die europäischen Teilnehmer bei einem separaten Treffen über ihre Strategie gegenüber Trump abstimmen. Macron kündigte für Freitag ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britischen Premierministerin Theresa May und dem neuen italienischen Regierungschef Giuseppe Conte an. Außerdem werden EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Ratschef Donald Tusk erwartet.