Bevor US-Präsident Donald Trump seine Zustimmung zum Abschlusskommuniqué des G7-Gipfels aufkündigte, hatten sich die Industrienationen auf ihrem Treffen zu einer Abschlusserklärung durchgerungen. Die EU will trotz des Ausstiegs der USA zu diesen Vereinbarungen stehen, sagte ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk. Auch ein Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, man wolle an den Vereinbarungen festhalten, genau wie der kanadische Gastgeber Justin Trudeau.

Doch es gab nur wenig Konkretes, auf das sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem zweitägigen Treffen im kanadischen La Malbaie einigen konnten, jetzt ist es eine Schlusserklärung der "G7 minus 1".

Der Handelskonflikt der Europäer, Japaner und Kanadier mit den USA war das größte Problem für  den Gipfel. Trotz enormer Gegensätze einigte man sich auf eine vage gemeinsame Erklärung und einen Aufruf zum Kampf gegen Protektionismus. Als Kompromiss lehnte sich die Erklärung an Formulierungen früherer Gipfel an. Damit wurde offensichtlich auch die Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel erfüllt, nicht hinter bisherige Positionen zurückzufallen. Die G7-Staaten plädierten erneut dafür, die Welthandelsorganisation (WTO) zu modernisieren, um sie gerechter zu machen.

Einigkeit zu Nordkorea

Der Atomkonflikt auf der koreanischen Halbinsel war das einzige große Thema, bei dem sich die G7-Partner vollständig einig wurden. Sie forderten Nordkorea auf, seine Massenvernichtungswaffen und Raketen sowie diesbezügliche Programme "vollständig, überprüfbar und unumkehrbar" zu beseitigen. Der "starke Druck" soll aufrechterhalten werden, bis Machthaber Kim Jong Un einlenkt. Der US-Präsident reiste vorzeitig von Kanada nach Singapur, wo er am Dienstag mit Kim zu einem historischen Gipfel zusammentreffen wird.

Die G7-Staaten wollen den Iran von der Entwicklung von Atomwaffen abhalten. Allerdings findet der Streit über den richtigen Weg dorthin im Abschlussdokument keine Erwähnung. Die USA hatten im Mai angekündigt, aus dem Atomabkommen auszusteigen, die europäischen Vertragsparteien Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen jedoch die Vereinbarung zusammen mit Russland und China unbedingt retten. Die Europäer haben an die USA appelliert, europäische Unternehmen nicht für Geschäfte im Iran zu bestrafen.

Abwehr von Manipulationen

Über den völlig überraschenden Vorstoß von Trump, Russland wieder in die Gruppe der großen Industrienationen aufzunehmen, gab es keine Verständigung. Einzig der Neuling in der Runde, Italiens neuer Regierungschef Giuseppe Conte, unterstützte Trump grundsätzlich. Die anderen Partner erwarten erst Fortschritte im Friedensprozess für die Ukraine. Russland war 2014 nach der Annexion der Halbinsel Krim ausgeschlossen worden.

Die G7-Staaten wollen gemeinsam gegen Fake-News und Destabilisierungsversuche aus Ländern wie Russland vorgehen. Dies war jedoch nicht Teil des Abschlusskommuniqués, sondern steht in einer gesonderten Erklärung. Ein neuer Mechanismus zur schnellen Reaktion (Rapid Response Mechanism, RRM) soll eine koordinierte und schnelle Reaktion auf Wahlmanipulationen, Propagandaattacken und andere "inakzeptable Handlungen" ermöglichen. Über das Abwehrsystem sollen Informationen über solche Angriffe analysiert und ausgetauscht werden. Im nächsten Schritt würde im Idealfall eine koordinierte Reaktion erfolgen, die von Gegenkampagnen bis zu Sanktionen reichen könnte.

Gleichberechtigung und Bildung

Bei der Gleichberechtigung, einem der Schwerpunktthemen des kanadischen Gastgebers Justin Trudeau, gab es Fortschritte. Die G7-Partner – nun ohne die USA – wollen bis 2020 umgerechnet 2,5 Milliarden Euro aufbringen, um Frauen in Entwicklungsländern zu unterstützen. Die Länder stellen eine Milliarde US-Dollar bereit, um weitere zwei Milliarden aus dem Privatsektor zusammenzubringen. Die Initiative soll Frauen den Zugang zu besseren Jobs und Führungsrollen erleichtern, außerdem ihre Lage in den Bereichen Finanzen, Märkte und Dienstleistungen verbessern. Ein von Kanada eingeführtes Beratergremium für Gleichberechtigung soll seine Arbeit auch unter Frankreichs G7-Vorsitz im nächsten Jahr fortsetzen.

Beschlossen wurde ebenfalls, den Zugang von armen Mädchen zu Bildung in Krisenregionen über drei Jahre mit 2,5 Milliarden Euro zu fördern. Davon sollen mehr als acht Millionen Kinder profitieren. Die Zusagen übersteigen die Forderungen von Gastgeber Kanada und Hilfsorganisationen, die sich 1,1 Milliarden Euro gewünscht hatten.

Zu fünft gegen Plastik

Im Kampf gegen Plastikmüll in den Ozeanen machte außer den USA auch Japan einen Rückzieher. Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Großbritannien und die EU verpflichteten sich, bis 2030 eine vollständige Wiederverwertbarkeit von Plastik sicherzustellen. Auch das Ziel, bis 2030 mindestens 55 Prozent ihrer Kunststoffabfälle zu recyceln, trugen die USA und Japan nicht mit. Von den G7-Staaten gelten die USA als größter Verursacher von Plastikverschmutzung in den Ozeanen. Global gesehen sind es China, Indonesien und die Philippinen. In Europa wird bislang nur knapp 30 Prozent des Plastikmülls zur Wiederverwertung gesammelt.

Zum Klimaschutz wurden nur die Differenzen mit den USA in die Gipfelerklärung geschrieben. Die sechs übrigen Staaten und die EU-Spitze bekannten sich zum Pariser Klimaschutzabkommen, während die USA ihren Sonderweg festschrieben. Trump war vor einem Jahr aus dem Klimavertrag ausgestiegen, der die Erderwärmung unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter halten will, möglichst sogar bei 1,5 Grad.