Vor wenigen Wochen habe ich an dieser Stelle geschrieben, die USA unter Donald Trump seien aus europäischer Sicht möglicherweise kein Verbündeter mehr, sondern ein Gegner. Der Verlauf des G7-Gipfels an diesem Wochenende hat gezeigt: Das "möglicherweise" kann man getrost streichen. Am Sonntagabend, bei einem ihrer raren Fernsehauftritte, nannte Kanzlerin Angela Merkel das Ergebnis bei Anne Will "ernüchternd und deprimierend". Das kann man wohl sagen. Es geht längst nicht mehr nur um Zölle und Handelsbarrieren. Trumps Verhalten ist eine Kampfansage an eine multilaterale und regelbasierte Weltordnung. Der amerikanische Präsident ist eine Gefahr für den Weltfrieden – daran wird auch das sorgsam inszenierte Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber nichts ändern.

Die Frage ist: Was nun?

Dass sich Trump durch gutes Zureden überzeugen lässt, ist eher unwahrscheinlich. Angela Merkel hat es versucht, Emmanuel Macron hat es versucht. Vergeblich. Auch Trumps Andeutung, man könne doch innerhalb der G7 gemeinsame Zölle abbauen, ist nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver. Dazu wären die Amerikaner niemals bereit. Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP ist ja in Wahrheit nicht an den Demonstranten in deutschen Großstädten gescheitert, sondern daran, dass die USA nicht bereit waren, ihre Märkte stärker für europäische Firmen zu öffnen.

Es ist also Zeit, eine härtere Gangart einzuschlagen. Eine hilfreiche Verhandlungsstrategie für solche Fälle wurde vor mehr als 30 Jahren von dem russisch-amerikanischen Mathematiker Anatol Rapoport entwickelt. Sie basiert auf dem Prinzip "Wie du mir, so ich dir" und soll den Gegner zur Kooperation zwingen. Konkret: Man beginnt die Verhandlungen freundlich und offen – und verhält sich dann immer so, wie sich der Gegner in der Vorperiode verhalten hat. Wenn er kooperiert, wird ebenfalls kooperiert. Wenn er auf Konfrontation setzt, antwortet man mit Konfrontation.

Die Bereitschaft zum Krieg sichert den Frieden

Dass Trump Zölle auf Stahl und Aluminium eingeführt hat, obwohl das den Regeln der Welthandelsorganisation widerspricht, war genau das: Konfrontation. Die EU hat Gegenmaßnahmen in gleicher Höhe bereits vorbereitet, sie müssen jetzt schnell umgesetzt werden. Wenn Trump daraufhin wie angedroht auch europäische Autos mit Zöllen belegt, muss die EU eben wieder gegenhalten.

Nun wird oft eingewandt, diese Auseinandersetzung sei nicht zu gewinnen, weil auf dem europäischen Binnenmarkt nur sehr wenige amerikanische Autos verkauft werden. Es wäre für die amerikanische Seite also nicht so schlimm, wenn diese nun durch extra Zölle noch teurer würden. Das ist auch korrekt, aber dafür verkaufen die Amerikaner in Europa iPhones. Sie betreiben Suchmaschinen und soziale Netzwerke. Und sie halten Anteile an europäischen Firmen, für die sie Dividenden kassieren. Die könnte man beispielsweise einbehalten.

Das Münchner Ifo-Institut hat vor dem Gipfel darauf hingewiesen, dass die Amerikaner zwar tatsächlich wie von Trump beklagt ein Defizit in der Handelsbilanz mit der EU haben. In der Leistungsbilanz aber – die die Gesamtheit der wirtschaftlichen Transaktionen zwischen Ländern misst, also auch Dienstleistungen oder Geldströme – steht unter dem Strich ein Plus von 14 Milliarden Dollar. Das bedeutet: Es herrscht mehr oder weniger Waffengleichheit. Wenn der Handelskrieg eskaliert, könnten sich die beiden bisherigen Partner erhebliche Schäden zufügen, bis hin zur Rezession.

Keine Frage: Jede Eskalationsstufe wäre für die Bevölkerung mit wirtschaftlichen Einbußen verbunden. Es stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Aber das wahrscheinlichste Szenario ist, dass Trump irgendwann zur Besinnung kommt und einlenkt, wenn er merkt, dass seine Gegner zum Widerstand bereit sind. Trump ist – das sollte man nicht vergessen – trotz der boomenden amerikanischen Wirtschaft kein sonderlich populärer Präsident. Er wird es nicht riskieren wollen, dass die Börsen auf Talfahrt gehen und die Arbeitslosenquote nach oben schnellt. Für die Europäer gilt deshalb in der aktuellen Eskalation: Erst die Bereitschaft zum Krieg sichert den Frieden.

Das alles setzt natürlich voraus, dass die EU einig und entschlossen auftritt und sich von Trumps Emissären nicht auseinanderdividieren lässt. Wenn ihr das gelingt, dann kann sie Donald Trump seine Grenzen aufzeigen.