Das G7-Format – Kerntruppe des Westens, wie wir ihn kannten – hat sich erledigt. Kaum war die deutsche Delegation mit Bundeskanzlerin Angela Merkel nach zwei Tagen harten Ringens im kanadischen La Malbaie wieder in Berlin gelandet, stellte sich heraus, dass US-Präsident Donald Trump in der Zwischenzeit die Unterschrift unter die gemeinsame Abschlusserklärung wieder zurückgezogen hatte.

Geduldig hatten die sechs anderen Regierungschefs Trumps Monologe ertragen, die immer wieder um die Kernbotschaft seiner Präsidentschaft kreisen: dass die USA regelmäßig von der Welt über den Löffel balbiert werden und dass damit nun Schluss ist. Wütende Beschwerden über angeblich unfaire Autoimporte der Deutschen wurden von rührseligen Geschichten über seinen deutschen Großvater abgelöst.

Trump, der in der Welt der Stahlbarone lebt, kann nicht sehen, dass nicht nur Waren in eine Handelsbilanz eingehen: Die amerikanischen Dienstleistungen, die Facebook, Google und andere in Europa anbieten, lassen die Dinge völlig anders aussehen. Umso erleichterter waren die Regierungschefs und ihre Unterhändler am Samstag, doch noch ein gemeinsames Statement fertiggebracht zu haben. Lange hatte sich die amerikanische Delegation gegen das Bekenntnis zu einer "regelbasierten Ordnung" gewehrt – eigentlich eine Selbstverständlichkeit in der untergehenden Welt des Westens. Dann hatte sie schließlich doch eingewilligt.

Auf in die Arme des Diktators Kim Jong Un

Aber es hilft nichts. Aus Partnern sind Gegner geworden. Trump war nicht nach Kanada gekommen, um Kompromisse zu schließen, sondern um seinen Wählerinnen und Wählern zu zeigen, dass jetzt Zahltag ist. Er kam spät an und fuhr früher ab. Vier Jahrzehnte transatlantischen Zusammenhalts aus der Air Force One mit ein paar Tweets in Stücke gehauen, die Alliierten zu Feinden erklärt – um aufzubrechen nach Singapur in die Arme des Diktators Kim Jong Un. "Wenn dieser Wahnsinn Methode hat", so schrieb der frühere britische Botschafter Peter Westmacott, "dann ist sie jedenfalls gut versteckt."

Aus America first wird America alone. Aber die Hoffnung, Trumps Wähler könnten durch den Schaden klug werden, den ein Handelskrieg ihnen bescheren wird, ist trügerisch: So läuft das nicht mit Sanktionen. Die Wut richtet sich gegen den äußeren Feind, gegen die Freunde von früher, zufällig auch die liberalen Demokratien.

Am schwierigsten ist die Lage für den nördlichen Nachbarn Trumps. Zwei Drittel von Kanadas Exporten gehen in die USA, für viele US-Staaten ist Kanada der wichtigste Handelspartner. Justin Trudeau hat jetzt den Ton vorgegeben, den man künftig wohl öfter hören wird zwischen ehemals alten Freunden: "Wir Kanadier sind höflich. Wir sind vernünftig. Aber wir lassen uns nicht herumschubsen."