Auch auf dem Weg zu seinem bisher wohl wichtigsten Gipfel unterhält Donald Trump sein Publikum. Die eindrucksvolle Wagenkolonne des US-Präsidenten hatte sich gerade erst auf den Weg zum Tagungshotel Capella gemacht, da erschienen schon wieder Tweets auf dem Account des Präsidenten – allerdings zum amerikanischen Wahlsystem: "Gerade eine Supreme-Court-Entscheidung zu Wahlen gewonnen. Großer Sieg!"

Kurz darauf meldete der US-Präsident, dass sein Handelsberater Larry Kudlow ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Botschaft ist klar: Selbst vor einer seiner schwierigsten Prüfungen denkt das Staatsoberhaupt noch an sein Team, er bleibt cool.

Bei der Ankunft wirken Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un dann doch etwas angespannt: Mit ernsten Mienen steigen sie aus ihren Limousinen und betreten das Luxushotel Capella. Wenige Minuten später schreiten sie in einem Hof aufeinander zu, schütteln sich rund fünf Sekunden lang die Hände und gucken sich dabei in die Augen. Trump scheint bemüht, so etwas wie Gastgeberschaft zu simulieren: Er legt gelegentlich den Arm auf Kims Schulter und führt ihn so durch die Gänge.

"Wir werden eine großartige Beziehung haben"

Bei einem kurzen öffentlichen Vorgespräch geben Kim und Trump erste gemeinsame Statements. "Es ist mir eine Ehre. Wir werden eine großartige Beziehung haben, da habe ich keine Zweifel", sagt Trump zu Kim. Der antwortet: "Die alten Vorurteile waren ein Hindernis, aber wir haben sie überwunden und jetzt sind Sie heute hier." Er zeigt ein Lächeln. Trump bedankt sich mehrfach und lächelt ebenfalls, streckt seinen Daumen in die Höhe.

Die oft zitierte Foto-Gelegenheit ist damit gemeistert – vor allem für Kim Jong Un ist schon das ein Erfolg. Doch für Trump werden die Bilder nicht ausreichen, um den Gipfel zu einem für ihn gelungenen zu machen. In einem privaten Gespräch und später in einer größeren Runde mit Beratern wird er Kim Jong Un Versprechungen abringen müssen. Geplant ist auch ein gemeinsames Mittagessen der beiden.

Im Voraus hatte Trump eine hundertprozentige nukleare Abrüstung Nordkoreas gefordert. Kim hatte das zwar auch zugesagt, unklar ist jedoch, was die Nordkoreaner genau darunter verstehen. Schwierig wird auch die Frage, wie ein solches Versprechen später überwacht werden könnte. Nordkorea hatte ähnliche Zusagen schon häufig gemacht, und schließlich wieder gebrochen.

Zuletzt hatte Trump die Erwartungen etwas reduziert und den Gipfel als Beginn eines langen Prozesses beschrieben. Vor dem Gipfel dürfte er sich schon einige Zusagen aus Nordkorea gegeben lassen haben.

Viel Zeit für Details bleibt heute nicht. Medienberichten zufolge könnte Nordkoreas Machthaber bereits um 14 Uhr nachmittags Ortszeit (8 Uhr MESZ) abreisen. Donald Trump wird um 16 Uhr Ortszeit (10 Uhr MESZ) eine Pressekonferenz geben. Dann wird er Ergebnisse präsentieren müssen.