Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sieht angesichts der bisherigen Politik Nordkoreas gute Gründe, der in Singapur erzielten Gipfelvereinbarung mit den USA zu misstrauen. "Wir müssen zunächst einmal abwarten, ob Nordkorea wirklich bereit ist, sich auf die Aufgabe seiner Nuklearwaffen als Teil eines substanziellen Friedensprozesses einzulassen", sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Zu oft ist die internationale Gemeinschaft in der Vergangenheit bereits durch Pjöngjang getäuscht worden."

Den Worten beim Gipfel von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump müssten Taten folgen. "Es geht hier ja nicht um einen Gipfel mit schönen Bildern. Es geht um die komplette, überprüfbare und irreversible Denuklearisierung Nordkoreas", so Maas. "Dazu muss Kim Jong Un bereit sein, wenn er sein Land zurück in die Staatengemeinschaft führen möchte." Der Außenminister begrüßte die Vereinbarung aber als Schritt in die richtige Richtung.

Bei dem Treffen in Singapur hatte Kim zugesichert, an einer vollständigen atomaren Abrüstung seines Landes zu arbeiten. Trump sagte im Gegenzug "Sicherheitsgarantien" für Nordkorea zu und kündigte ein Ende der Militärmanöver mit Südkorea an. Konkrete Schritte, Definitionen, ein Zeitplan oder Kontrollmaßnahmen wurden aber nicht benannt. Für Kim bedeutet das Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten vor allem einen enormen Prestigegewinn.

China schlägt Sanktionserleichterungen vor

Die chinesische Regierung schlug nach dem Gipfel eine Erleichterung der Sanktionen gegen Nordkorea vor. Wenn sich die Führung in Pjöngjang an UN-Resolutionen halte und es Fortschritte bei Verhandlungen gebe, solle der UN-Sicherheitsrat darüber beraten, Sanktionen auszusetzen oder aufzuheben, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Geng Shuang, in Peking. "Wir glauben, dass der Sicherheitsrat versuchen sollte, die derzeitigen diplomatischen Bemühungen zu unterstützen."

Der Sicherheitsrat hatte die Atom- und Raketentests Nordkoreas wiederholt verurteilt und Wirtschaftssanktionen verhängt. Über China laufen mehr als 90 Prozent des nordkoreanischen Handels, ohne das Land sind internationale Sanktionen weitgehend wirkungslos. Geng betonte, die chinesische Regierung setze die UN-Sanktionen gegen Nordkorea umfassend, exakt und strikt um.

Zuvor hatte bereits Chinas Außenminister Wang Yi das Gipfeltreffen von Trump und Kim als historisch begrüßt und zur "vollständigen Denuklearisierung" aufgerufen, um die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu lösen. China ist der einzige enge Verbündete des Regimes in Nordkorea. So flog Kim mit einer geliehenen Maschine von Air China zum Gipfeltreffen nach Singapur.